Nach wochenlangen Querelen in den Führungsgremien von ZF Friedrichshafen, hat der Aufsichtsrat nach Informationen unserer Zeitung in einer Sitzung am Dienstag die grundlegenden Weichenstellungen für die kommenden Jahre bestätigt. Wie es nach dem Abgang von ZF-Chef Stefan Sommer an der Konzernspitze langfristig weitergeht, blieb aber unklar.

Aus Unternehmenskreisen hieß es nach Ende des Treffens, ZF halte an Sommers Strategie fest. Diese trägt unter dem Titel "ZF 2025" unter anderem mit Elektromobilität oder dem autonomem Fahren Innovationsthemen Rechnung und soll das 140 000-Mitarbeiter-Unternehmen zu einem Systemanbieter in wichtigen Zukunftsfeldern machen. Auch in der Kurzzeit-Planung habe der Aufsichtsrat Einigkeit erzielt, hieß es.

Auf dem Personaltableau sind allerdings noch Punkte offen. Zwar hat ZF nach dem vergangene Woche verkündeten Abgang von Stefan Sommer mit Konstantin Sauer einen neuen Konzernchef. Dieser ist aber nur vorübergehend im Amt. Nach einem Langzeit-Nachfolger wird gesucht. Die Weichen für diese Suche wurden gestern gestellt, hieß es von informierter Seite. Demnach wird nun der Personalausschuss, bestehend aus mehreren Aufsichtsräten, die Sommer-Nachfolge organisieren und womöglich schon Anfang 2018 einen Kandidaten präsentieren.

Eine passende, aber auch zügige Nachfolgelösung ist wichtig, da durch mehrere Personalwechsel viel Unruhe im Konzern herrscht. So wurde Ende November durch SÜDKURIER-Recherchen bekannt, dass sich ZF fristlos von seinem Entwicklungschef Harald Naunheimer getrennt hat. Ein Nachfolger sei bereits gefunden, hieß es damals und werde "kommende Woche" vorgestellt. Bislang ist allerdings kein Nachfolger bekannt. Auch die langfristige Perspektive für den amtierenden Aufsichtsratschef Franz-Josef Paefgen ist ungewiss. Der Ex-Audi-Manager hatte den ebenfalls Ende November zurückgetretenen Giorgio Behr an der Spitze des Kontrollgremiums ersetzt. Die angestrebte Verjüngung des Aufsichtsratsgremiums wurde bei dem Wechsel aber verfehlt. Behr war bei seinem Abgang 69 Jahre alt, sein Nachfolger Paefgen ist bereits 71. Auch deshalb gilt er als Übergangskandidat.

Zudem machten Anfang dieser Woche Gerüchte die Runde, ein weiterer ZF-Vorstand stehe auf der Kippe. Nach einem Medienbericht wird der Vertrag des Asien- und Südamerikaverantwortlichen Peter Lake nicht verlängert. Nach Informationen dieser Zeitung stand das Thema bei der gestrigen Sitzung der Aufsichtsräte aber gar nicht auf der Tagesordnung. "Peter Lakes Vertrag stand nicht zur Verlängerung an", sagte ein Kenner der Materie. Von anderer Seite hieß es, Lake wisse noch gar nicht, ob er nach Auslaufen seines Vertrags im Oktober 2018 "überhaupt weitermachen will". Auch ein ZF-Sprecher sagte, es gebe aktuell "keine Veränderung bezüglich Peter Lakes Position".

Dennoch ist das Thema nicht ganz vom Tisch. Bei einer möglichen Nachbestellung von Lakes' Posten müsse man sich über den Ressortzuschnitt Gedanken machen, sagte ein Insider. Daimler und VW hätten Vorstände, die speziell für den Boom-Markt China verantwortlich seien. "Warum nicht auch bei ZF?", sagte die Quelle. Es gehe darum, der zunehmenden Internationalisierung Rechnung zu tragen. Sollte Lake ausscheiden, sei es angezeigt, wieder einen Manager mit viel internationaler Erfahrung auf den Posten zu holen, etwa aus dem 2015 von ZF übernommenen TRW-Konzern. Das sei auch aus Gründen der Zusammenführung der Unternehmenskulturen von ZF und TRW sinnvoll. Vielflieger Lake gilt als international gut vernetzter Manager. Im ZF-Vorstand ist er der einzige Vertreter der alten TRW.

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