Ärgerliche Funklöcher für Handynutzer in Deutschland sollen durch einen zusätzlichen Ausbau des Netzes weiter verringert werden. Ziel sei, bis Ende 2021 durch neu zu errichtende Mobilfunkstandorte 99 Prozent der Haushalte in jedem Bundesland zu versorgen, vereinbarten die Mobilfunkbetreiber bei einem Treffen bei Bundesinfrastrukturminister Andreas Scheuer.

Lesen Sie auch

Die drei großen Netzbetreiber Telekom, Vodafone und Telefonica (O2) wollen demnach unter anderem mindestens 1000 Standorte mit dem Standard 4G in sogenannten weißen Flecken neu aufbauen oder aufrüsten. Geplant seien zudem 10 000 Standorte neue aufgerüstete 4G-Standorte. Im Gegenzug sollen unter anderem Zahlungen der Netzbetreiber für 4G-Frequenzen aufgeschoben werden.

Absichtserklärung der Betreiber

Bei den Vereinbarungen handele es sich um eine Absichtserklärung, betonten die Beteiligten. Die Umsetzung sei auch abhängig von den Bedingungen, die die Netzanbieter für die anstehende Frequenzvergabe des neuen, deutlich schnelleren Mobilfunkstandards 5G erfüllen müssten. Diese Modalitäten werden von der Politik festgelegt und stehen bislang noch nicht fest.

Auch Frage des nationalen Roamings

Auch von der Frage des sogenannten nationalen Roamings hänge die Umsetzung ab, sagte Deutsche-Telekom-Chef Tim Höttges. Dabei kann sich etwa auf dem Land ein Handy bei schlechtem Empfang in das Netz eines anderen Betreibers einwählen, der die Nutzung dem eigentlichen Anbieter dann in Rechnung stellt. „Ein national Roaming würde dazu führen, dass deutlich weniger investiert würde in Deutschland“, sagte Höttges.

Bereits jetzt gilt für die Netzbetreiber eine Verpflichtung, bis Januar 2020 deutschlandweit 98 Prozent der Haushalte mit mobilem Breitband zu versorgen. Diese Bedingung war ihnen bei der Versteigerung von mobilen Breitband-Frequenzen im Jahr 2015 auferlegt worden. Nun sollen es bundesweit einheitlich 99 Prozent bis Ende 2021 werden. „Es ist nur ein Prozent, aber es ist ein großer Schritt für Deutschland“, sagte Telefonica-Chef Markus Haas.

Investitionen in Milliardenhöhe

„Wir sind zu Investitionen bereit, wenn auch die Rahmenbedingungen gegeben sind, die wir brauchen“, machte Telekom-Chef Timotheus Höttges deutlich. Der zusätzliche Prozentpunkt bei der Netzabdeckung werde „ein hartes Stück Arbeit“, betonte auch die Chefin von Vodafone Deutschland, Anna Dimitrova. Der Ausbau bedeute Investitionen in Milliardenhöhe, ergänzte Höttges. Um von 98 auf 99 Prozent Abdeckung zu kommen, müssten 300 000 bis 400 000 Haushalte in wenig besiedelten Gegenden mobilen Empfang bekommen. Das bedeute etwa die teure Verlegung von Glasfaserkabeln.

Kritik aus der Opposition

Die Opposition kritisierte die Erklärung. „Auf dem Gipfel wurde beschlossen, dass aus einer 98 Prozent eine 99 Prozent Abdeckung wird“, erklärte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer. „Das ist doch Humbug und geht an der erlebten Realität komplett vorbei.“

Die Bundesregierung geht davon aus, dass je nach Region zwischen 93,3 und 100 Prozent der Haushalte mit Mobilfunk versorgt sind (Stand Ende 2017). Allerdings schränkt der Duisburger Telekommunikations-Wissenschaftler Torsten Gerpott ein: „Diese Prozentzahlen beziehen sich nur auf die Haushalte und nicht auf die Fläche.“ Zudem seien darin auch Download-Geschwindigkeiten von unter 6 Megabit pro Sekunde enthalten. Setze man die Mindestschwelle bei 6 Mbit/s, seien nur 90 Prozent der Haushalte drahtlos versorgt. (dpa/AFP)