Der Online-Händler Amazon soll täglich Waren im Wert von zehntausend Euro vernichten, welche die deutschen Logistiklager als Retouren erreichen. Interne Produktlisten, Fotos und Aussagen von Mitarbeitern belegten, dass der Online-Händler im großen Umfang Güter aller Art entsorge, berichten das ZDF-Magazin "Frontal 21" und die "Wirtschaftswoche". Dazu gehörten Kühlschränke, Wasch- und Spülmaschinen, Handys und Möbel. Mehrere Mitarbeiter hätten diese Aussagen bestätigt.

Amazon bestreitet Zerstörung nicht

Das Unternehmen bestreitet die Zerstörung von Produkten dem Bericht zufolge nicht, betonte aber, dass die Verbesserung von Prozessen hohen Stellenwert genieße, um so wenig Produkte wie möglich entsorgen zu müssen. Nach Schilderungen der Mitarbeiter würde der Onlinehändler aber nicht nur unbrauchbare Produkte entsorgen, sondern auch funktionstüchtige, teilweise sogar neue Produkte zerstören.

Generell könne es vorkommen, dass Online-Händler zurückgegebene Ware nicht mehr ins Sortiment nehmen können. Das bestätigt Stefan Hertel, Pressesprecher des Handelsverbands Deutschland auf SÜDKURIER-Anfrage: "Fast zwei Drittel der vom Forschungs- und Bildungsinstituts EHI in einer Studie befragten Händler geben dies als Grund an, dass eine Aufbereitung zurückgegebener Ware nicht möglich ist." Auch das Spenden von unverkäuflicher Ware für wohltätige Zwecke sei wirtschaftlich oft ein Verlustgeschäft, da sie der Steuerpflicht unterlägen. Amazon bietet auch externen Anbietern an, unverkaufte Ware zu vernichten.