Zombies sind sagenhafte Gestalten der Fantasiewelt. Es sind Menschen, die scheinbar von den Toten wieder-auferstanden sind und als Untote herumgeistern. Neuerdings haben sie eine neue Bühne gefunden: die Ökonomie. Sie sorgt sich um seelenlose Unternehmen, die nicht sterben können – wegen der Nullzins-Politik. Klar, die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Zinsen auf null gesenkt, um zunächst überschuldeten Staaten das Überleben zu sichern, die mit Zinsen auf ihre Anleihen sonst unweigerlich in den Bankrott getrieben worden wären. Davon profitieren auch Unternehmen und Banken. Sie werden als Zombies bezeichnet, weil sie unter normalen Umständen längst pleite und vom Markt verschwunden wären – Unternehmen, die ihre echten Kapitalkosten nicht mehr verdienen können.

Besonders betroffen sind Banken in Südeuropa. Die derzeitig heftig diskutierte Ausweitung der Einlagensicherung der Banken auf das gesamte Europa hängt damit zusammen: Nach Pleiten von Unternehmen wären auch ihre Kreditgeber, die Banken, betroffen. Eine Bankenkrise aber reißt kranke wie gesunde Unternehmen ins Grab. Gerade in Italien und Griechenland wären dies gewaltige Risiken. Wenn solidere deutsche Sparkassen und Volksbanken dann italienische und griechische Pleitebanken retten, wäre das aus Sicht der EZB Teil der Problemlösung – allerdings zum Schaden deutscher Sparer. Das große Problem für die EZB liegt darin, dass mit der Niedrigzinspolitik nur eine sehr langsame und zudem kraftlose wirtschaftliche Erholung der Eurozone eingetreten ist.

Jetzt machen sich viele Sorgen, ob nicht auch der deutsche Wirtschaftserfolg geschönt ist – durch Unternehmen, die nur durch die Nullzins-Politik künstlich weiterleben können, aber eigentlich wettbewerbsunfähig sind. Der Unternehmensberater Markus Krall etwa zieht dafür die niedrige Zahl von Pleiten als Beleg heran – ein Hinweis, dass die Erneuerung der Wirtschaft nicht mehr erfolge. Solche Unternehmen besitzen nicht mehr die Finanzkraft, um Investitionen zu stemmen, die notwendig sind, um innovative Prozesse und Produkte zu entwickeln. Sie überleben nur als Untote, die in ihrem Überlebenskampf oft zu drastischen Kosteneinsparungen und Lohndruck gezwungen sind. Solche Unternehmen brennen schleichend aus. Selbst hohe Gewinne sind dabei kurzfristig noch möglich – ausgeschüttete Gewinne statt Investitionen, weil die Eigentümer um ihre Schwäche wissen und nicht mehr an das langfristige Bestehen des Unternehmens glauben. Eine Untersuchung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform kommt zu dem Ergebnis, dass sogar 15,4 Prozent der deutschen Unternehmen betroffen sein könnten.

Es gibt sie also doch, die gruseligen Zombies. Davon hängt mittlerweile massiv auch die Zinspolitik der EZB ab. Die EZB könnte möglicherweise den „Point of no return“ erreicht haben, der es ihr nicht mehr möglich macht, aus der extremen Niedrigzinspolitik auszusteigen, ohne dabei selbst die nächste wirtschaftliche Krise einzuleiten. Die käme bestimmt, wenn Unternehmen durch steigende Zinssätze in die Pleite getrieben würden und damit die Arbeitslosigkeit steigt.