Nach der turbulenten Vorweihnachtszeit im letzten Jahr, die nach einem Streit um die Zukunftsstrategie des Unternehmens im Rücktritt von ZF-Chef Stefan Sommer mündete, kommt der Friedrichshafener Autozulieferer in diesem Jahr wieder in ruhigeres Fahrwasser. Auf der gestrigen Betriebsversammlung, an der 4000 Mitarbeiter teilnahmen, sei die Stimmung versöhnlich gewesen, berichtete der Betriebsratsvorsitzende Achim Dietrich. Das Eckpunktepapier zur Standortsicherung, das Arbeitgeber und Arbeitnehmer 2016 unterzeichnet hatten, habe sich bewährt, sagte er. Ähnlich äußerte sich das Management des Standorts Friedrichshafen auf einer anschließenden Pressekonferenz. Wir stellen Ihnen den aktuellen Stand rund um die Konzernzentrale des drittgrößten deutschen Automobilzulieferers vor.

  • Mitarbeiter: Aktuell beschäftigt ZF in Friedrichshafen 9400 Mitarbeiter. "Hier sind wir gut unterwegs, wozu auch die günstige Auftragslage der vergangenen Zeit beigetragen hat“, sagte Detlef Gagg, Standortleiter für die Zentralbereiche. „Einen nachhaltigen Stellenaufbau sehen wir in den nächsten Jahren in der Forschung und Entwicklung, vor allem in den Bereichen automatisiertes Fahren und Elektromobilität", sagte Gagg. Damit liegt ZF – auch dank der guten Konjunktur – oberhalb der im Eckpunktepapier anvisierten Zielgröße von 9000 Mitarbeitern.
  • Forschung und Entwicklung: Künftig will ZF noch mehr forschen als bisher. So soll zusätzlich zum derzeitigen Forschungbudget ein Prozent vom Umsatz, also etwa 350 Millionen Euro, in die Entwicklung von neuen Produkten fließen. Im Februar soll das Prüfzentrum für Getriebesysteme, in das ZF 70 Millionen Euro investiert hat, in Betrieb genommen werden.
  • Weiterbildung: Durch den technologischen Wandel ist ZF gezwungen, noch mehr Geld in die Weiterqualifizierung der Belegschaft zu investieren. "Wir wollen die Mitarbeiter auf neue Tätigkeiten vorbereiten und ihnen zugleich neue Karrierechancen zu eröffnen“, sagt Franz-Josef Müller, Vorsitzender des Betriebsratsgremiums für die Zentralbereiche. Unter anderem ermöglicht ZF jährlich fünf Mitarbeitern, aufbauend auf einer dualen Ausbildung ein Ingenieursstudium zu absolvieren. Aber auch Ingenieure, beispielsweise aus dem Bereich Maschinenbau, müssten im Elektro- und Softwarebereich nachgeschult werden, hieß es bei ZF.
  • Investitionen: Im Eckpunktepapier wurde vereinbart, 600 Millionen Euro bis Ende 2022 am Konzernstammsitz zu investieren. Ein Drittel der Summe sei bereits abgerufen worden. Weitere Millionen-Investitionen in neue Maschinen sollen in den nächsten Wochen freigegeben werden.
  • Zukunftsprodukte: Zur Sicherung des Standorts setzt ZF vor allem auf drei Produkte: Das Traxon Hybrid-Getriebe für schwere Nutzfahrzeuge, den elektrischen Zentralantrieb Cetrax und das 8-Gang-Automatgetriebe Powerline für leichte und mittelschwere Nutzfahrzeuge. Während ersteres ein "Brot-und-Butter-Getriebe" sei, schaffen die anderen beiden Produkte zunächst jeweils nur 60 Arbeitsplätze. Mittelfristig könnten jedoch hunderte Arbeitsplätze durch die beiden Produkte entstehen.
  • Industrie 4.0: Ein Teil der Investitionen ist in die digitale Vernetzung der Produktion (Industrie 4.0) geflossen. "Und das nicht, weil es dem Zeitgeist entspricht, sondern, weil wir dadurch die Produktionsqualität steigern können", sagt Dirk Hanenberg, der für den Produktionsbereich verantwortliche Standortleiter. So liefen derzeit 24 Projekte zur Modellfabrik 4.0. Unter anderem soll Papier durch Tablets ersetzt werden. Auch die Lieferung von Ersatzteilen durch Drohne werde geprüft.
  • Betriebsrenten: Ein Zankapfel zwischen Betriebsrat und Management bleibt weiterhin die Betriebsrente. Nach der Kündigung der Betriebsvereinbarung zur Betriebsrente durch den Konzern haben sich beide Seiten noch nicht auf ein neues Modell einigen können. "Es geht ums Geld", sagte Achim Dietrich. Man werde sich in der Hoffnung einer zeitnahen Einigung vor Weihnachten noch zweimal zu Verhandlungen treffen, so dass ein unterschriftsreifer Kompromiss im Februar auf dem Tisch liegen könnte. ZF waren die Betriebsrentner durch die Niedrigzinsen zu teuer geworden. Um einen garantierten Zins von sechs Prozent zahlen zu können, musste ZF viel Geld zuschießen. Die hohe Verzinsung ließ die Pensionsverpflichtungen in der Bilanz auf 3,8 Milliarden Euro steigen – Geld, das für wichtige Zukunftsinvestitionen in die Elektromobilität und das autonome Fahren nicht zur Verfügung steht.