Ungewöhnlich früh mahnt der Arbeitgeberverband Südwestmetall Zurückhaltung bei der nächsten Tarifrunde an. „Es war noch nie so viel Ärger bei unseren Mitgliedern wie nach dem Abschluss im letzten Jahr“, begründete dies Hauptgeschäftsführer Peer-Michael Dick in Stuttgart. Das zeige sich auch in der Zahl der Austritte. Aktuell gehören dem Verband noch 695 Unternehmen an, zur Jahrtausendwende seien es noch 1090 gewesen. „Wir befürchten, dass sich der Flächentarifvertrag selbst abschafft“, sagte er. Der noch bis März 2020 laufende Tarifabschluss sei zu hoch gewesen und vor allem für Mittelständler seien die Regelungen zu komplex. Dick: „Wir müssen die Situation befrieden.“

Unternehmen verunsichert

Die Metall- und Elektroindustrie ist nach Dicks Worten in der aktuellen Lage verunsichert. Von Krise wolle er noch nicht sprechen. Aber: „Rein nach der Statistik haben wir eine Rezession, weil zwei Quartale hintereinander die Produktion gesunken ist.“ Die Branche liege im ersten Halbjahr rund 5 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Und niemand wisse, wie es angesichts weltweiter Handelskonflikte und der technologischen Umwälzungen weitergehe. In vielen Firmen würden derzeit die Arbeitszeitkonten geleert. Wenn der Negativtrend anhalte, seien im Herbst die Zeitguthaben abgebaut. Dies erklärt nach Dicks Ansicht, warum allein im Juli in Baden-Württemberg 250 Firmen der Bundesagentur für Arbeit Kurzarbeit angezeigt haben. „Das ist noch kein großes Thema“, hält er allerdings den Ball flach. Die Metall-Arbeitgeber wünschen sich die großzügigen Regeln für Kurzarbeitsgeld aus dem Jahr 2009 zurück. In der damaligen Krise sei die Produktion um 26 Prozent gesunken, die Zahl der Stellen nur um 4 Prozent.

Zusätzliche Freizeit

Vielen Firmen hilft aktuell ein Instrument aus dem letzten Tarifvertrag. Es geht um das tarifliche Zusatzgeld, das etwa Schichtarbeiter in acht zusätzliche freie Tage umwandeln können. In der Auftragsflaute bieten Firmen allen Mitarbeitern freiwillig die bezahlte Freizeit an.

Immer weniger tarifgebunden

Das ändert nach Dicks Einschätzung aber nichts am Frust in vielen Unternehmen. Vor allem Mittelständler mit weniger als 1000 Mitarbeitern seien überfordert. Das sieht er als Grund, dass immer mehr Firmen Südwestmetall den Rücken kehren. Aktuell würden nur noch 53 Prozent aller Beschäftigten in der baden-württembergischen Metallindustrie in tarifgebundenen Unternehmen arbeiten.

Vereinheitlichung der Verträge

Ohne großes öffentliches Aufheben arbeiten IG Metall und Südwestmetall an einer Vereinheitlichung der Tarifverträge in Baden-Württemberg. Die Regelungen stammen noch aus der Zeit, als Nordwürttemberg/Nordbaden, Südbaden und Südwürttemberg getrennte Tarifgebiete waren. Das sorge bei Unternehmen für Probleme, die Betriebe in allen drei Regionen haben. Über die Notwendigkeit der Vereinheitlichung seien sich die Tarifparteien einig. So einen Konsens erhofft sich Dick auch bei den Lohnverhandlungen Anfang 2020 und beschwört die IG Metall: „Es muss ein Tarifvertrag sein, der Frieden in unsere beiderseitigen Beziehungen und in unsere Mitgliedschaft bringt.“