Während das Geschäft mit großen Linienflugzeugen für den internationalen Reiseverkehr seit Jahren boomt, kommen die Verkäufe kleinerer Maschinen weltweit nicht in Schwung. Weltweit wurden nach Daten des Branchenverbands Gama 2017 nur 2324 Flugzeuge ausgeliefert. Ein nur leicht "positiver Trend" im rund 16 Milliarden Euro schweren Markt, wie es am Mittwoch auf der Branchenmesse Aero in Friedrichshafen hieß.

Modell eines Dreideckers des Herstellers Fokker. Eine ähnliche Maschine flog einst  Manfred von Richthofen, einer der erfolgreichsten Jagdflieger des ersten Weltkriegs. Die Aero präsentiert mehrere historische Modelle.
Modell eines Dreideckers des Herstellers Fokker. Eine ähnliche Maschine flog einst Manfred von Richthofen, einer der erfolgreichsten Jagdflieger des ersten Weltkriegs. Die Aero präsentiert mehrere historische Modelle. | Bild: Rosenberger

Zum Segment der Kleinflugzeuge gehören etwa einmotorige Fabrikate, aber auch Turboprop-Maschinen und sogenannte Business-Jets. Das sind von Turbinen angetriebene Edel-Flugzeuge, deren Abnehmer meist reiche Privatleute oder Konzerne sind. 16 Stück dieser Maschinen wurden im vergangenen Jahr in Deutschland verkauft. Weltweit waren es knapp 700. Nach acht Jahren der Stagnation verzeichne man in den letzten Monaten endlich eine Belebung des Geschäfts, sagte Nicolas von Mende von Atlas Air Service, der in Deutschland führende Jet-Händler. "Wir gehen in den Steigflug über."

Darauf müssen andere noch warten. So sinkt der Bestand an Segelflugzeugen in Deutschland seit fast einem Jahrzehnt. Aktuell stehen noch knapp 7400 der weißen Gleiter in den Hangars. 2009 waren es noch rund 7900. Auch die Anzahl der Fesselballone ist seit damals um 13 Prozent gefallen. Es gehe darum, insbesondere die Jugend wieder für den Sport zu begeistern, sagte Hubertus von Samson-Himmelstjerna, Generalsekretär des Branchenverbands DAeC.

Nicht ganz ernst gemeintes Tüftler-Stück: Die fliegende Badewanne, die man als Vorgänger moderner Taxi-Drohnen bezeichnen könnte. Ob das Gefährt wirklich jemals abhob, ist nicht überliefert.
Nicht ganz ernst gemeintes Tüftler-Stück: Die fliegende Badewanne, die man als Vorgänger moderner Taxi-Drohnen bezeichnen könnte. Ob das Gefährt wirklich jemals abhob, ist nicht überliefert. | Bild: Rosenberger

Zu kämpfen hat auch die Hubschrauberbranche. Die Zahl der Drehflügler ist innerhalb von knapp einem Jahrzehnt um sieben Prozent zurückgegangen. Eine Entwicklung, die ursächlich mit dem Drohnen-Boom, aber auch strengeren gesetzlichen Vorschriften zu tun hat, wie Frank Liemandt vom deutschen Hubschrauberverband sagte. Luftbilder oder bestimmte Überwachungsaufgaben, würde heute fast ausschließlich von Drohnen erledigt, sagte er. "Die nehmen uns viel Geschäft weg."

Ein Historischer Nachbau der Junkers F 13, des ersten Ganzmetallflugzeugs der Welt.  99 Jahre nach dem Jungfernflugerhält die F 13 nun wieder die Verkehrszulassung.
Ein Historischer Nachbau der Junkers F 13, des ersten Ganzmetallflugzeugs der Welt. 99 Jahre nach dem Jungfernflugerhält die F 13 nun wieder die Verkehrszulassung. | Bild: Rosenberger

Eine rosige Zukunft dagegen bescheinigen Experten neue Antriebskonzepten im Bereich der Elektromobilität. Kombinierte Antriebe von Elektro- und Verbrennungsmotor – sogenannte Hybride – würden die Luftfahrt in den kommenden Jahrzehnt "dramatisch verändern", sagte der Vize-Chef des Elektro-Flugzeuggeschäfts von Siemens, Frank Anton. Aktuell gingen entsprechende Kleinstflugzeuge "in Richtung Serienproduktion". Ab 2022 erwartet der Siemens-Manager Hybrid-Flugzeuge, die maximal 20 Passagiere befördern können, bevor im Jahr 2035 auch Passagier-Jets mit bis zu 100 Sitzen halbelektrisch durch die Wolken gleiten würden. Auf der Aero präsentieren neben Siemens auch eine Reihe anderer Hersteller reine E-Flugzeuge oder Hybride.

Auch Bundeswehr, Bundespolizei und Rotes Kreuz sind mit mehreren Flugzeugen und Hubschraubern auf der Aero präsent. Hier ein Cockpit-Simulator eines Tornado-Kampfjets der Bundeswehr.
Auch Bundeswehr, Bundespolizei und Rotes Kreuz sind mit mehreren Flugzeugen und Hubschraubern auf der Aero präsent. Hier ein Cockpit-Simulator eines Tornado-Kampfjets der Bundeswehr. | Bild: Rosenberger

Während Siemens allerdings noch keinen seiner Antriebe in Serie hat, sind andere da schon weiter. Der slowenische Hersteller Pipistrel lehrt die Münchner derzeit das Fürchten. Seit 2014 hat die Firma schon über 90 Maschinen seines vollelektrischen Typs Alpha Electro verkauft. Für 118 000 Euro kann der Zweisitzer 90 Minuten in der Luft bleiben und ist deutlich über 100 Stundenkilometer schnell.