Mittelständische Unternehmen gelten als Motor der deutschen Wirtschaft. Doch besonders innovativ waren sie in den vergangenen Jahren offenbar nicht. Das verdeutlicht eine aktuelle Studie der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Die Innovationstätigkeit mittelständischer Unternehmen verlief demnach stark rückläufig.

Besonders stark lasse sich der Rückgang laut Studie an der sogenannten Innovatorenquote beobachten, die den Anteil der kleinen und mittelständischen Unternehmen beschreibt, die innerhalb eines Dreijahreszeitraums Produktinnovationen eingeführt hätten. Im vergangenen Jahr lag die Innovatorenquote bei 27 Prozent und hat sich somit erstmalig wieder leicht erhöht. Ein anderes Argument beschreibt ebenfalls die Innovationsschwäche der Firmen. Insgesamt 32,2 Milliarden Euro hat der Mittelstand 2016 für Innovationen investiert. Die Summe der Innovationsausgaben hat sich somit seit Mitte der 90er Jahre kaum verändert. Auch in den Umsätzen macht sich der Mangel an Investitionen bemerkbar: Konnten sich 2004 noch 43 Prozent der Mittelständler über die Hälfte ihres Umsatzes mit ihren Innovationen erzielen, sind es aktuell noch 25 Prozent.

Doch mittelständische Unternehmen sind deutlich innovativer, als die Studie zeigt: "Nicht jeder, der innovativ ist, spricht auch darüber", sagt Claudius Marx, Hauptgeschäftsführer der IHK Hochrhein-Bodensee. Regional agierende Unternehmen haben entgegen des anhaltenden Negativtrends ihren Innovationsanteil an Produktentwicklungen ausgeweitet. Der Anteil betrug im vergangenen Jahr 20 Prozent und stieg somit um sechs Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr.

Neue Produkte sind kein Muss

Mittelständische Unternehmen melden ihre Innovationen nicht mehr zum Patent an. "Da sie oft nicht über die finanziellen und personellen Mittel verfügen, die zur Anmeldung von Schutzrechten notwendig sind, nutzen sie lieber ihren Wissensvorsprung aus, um damit möglichst lange Gewinne zu erzielen", sagt Marx. An die Patentanmeldung ist auch die Veröffentlichung des Wissens gebunden. "Firmen verzichten aus diesem Kalkül bewusst auf Patente, um sich mit ihren Innovationen einen zeitlich begrenzten Vorsprung zu erarbeiten", bestätigt Marx. Bis dieser Wissensvorsprung aufgearbeitet sei, arbeiteten die Firmen längst an neuen Innovationen.

Laut KfW-Studie tut sich bei der Innovationstätigkeit im Mittelstand eine Schere auf: Auf der einen Seite steigen immer mehr Mittelständler aus eigenen Innovationsaktivitäten aus. Auf der anderen Seite investieren die verbleibenden Innovatoren immer mehr in Innovation. Um den Wissensvorsprung zu halten, müssen mittelständische Unternehmen ihre Innovationsgeschwindigkeit möglichst hoch halten. "Teilweise haben sie aber gar keinen Druck, ihre Produkte zu verändern. Wenn es sich gut auf dem Markt verkauft, kann es betriebswirtschaftlich sinnvoll sein, Investitionen in Innovation zurück zu stellen", erklärt Claudius Marx.