Der Milchkrieg in Oberschwaben könnte ein Ende nehmen. Der Molkereikonzern Lactalis lenkt im Streit mit den Milchbauern der Omira Oberland-Milchverwertung (OOMV) ein. Die Franzosen haben den Milchbauern ein schriftliches Angebot für eine außergerichtliche Einigung vorgelegt und verzichten auf die Forderung von 19,5 Millionen Euro. Vier Millionen Euro möchte Lactalis allerdings einbehalten. Ursprünglich klagten die Franzosen auf Schadensersatz in Höhe von rund 23,5 Millionen Euro. Sie warfen der Molkerei vor, beim Verkauf getrickst zu haben. Die 2000 Milchbauern der OOMV müssen nun entscheiden, ob sie das Angebot annehmen oder den Streit vor Gericht bringen.

  • Der Hintergrund: Der französische Konzern hatte die wirtschaftlich angeschlagenen Molkerei Omira 2017 für 27 Millionen Euro übernommen. Die Ravensburger Molkerei gehörte damals einer Genossenschaft von rund 2000 Milchbauern, die nun in der OOMV vertreten sind. Lactalis klagte nach dem Kauf gegen das eigene Unternehmen. Der schwerwiegendste Vorwurf bezieht sich auf den Umrechnungsfaktor, der das Volumen von Milch in Gewicht bestimmt. Die Erhöhung des Faktors von 1,02 auf 1,03 sei im Milchliefervertrag verschwiegen worden, so Lactalis. Der Milchpreis, den die Franzosen an die Bauern zahlen müssen, würde deshalb steigen. Sie forderten für die Mehrkosten 19,5 Millionen Euro ein. Außerdem gebe es Mängel in der Produktion, dazu müsse beim Brandschutz nachbessert werden. Der Konzern erhebt dafür weitere Ansprüche in Höhe von vier Millionen Euro. Derzeit halten die Franzosen aus notariellen Sicherungszwecken zehn Millionen Euro vom Kaufpreis der Molkerei auf einem Sperrkonto zurück.
  • Das Angebot: Lactalis erklärt sich bereit, die künftigen Mehrkosten aus der Anpassung des Milchumrechnungsfaktors zu tragen. Das entspricht der geforderten Summe von 19,5 Millionen Euro. Darüber hinaus bietet Lactalis an, einen Betrag von sechs Millionen Euro vom Sperrkonto zur Auszahlung freizugeben, heißt es in der Konzern-Mitteilung. Für die Bauern würde das bedeuten, dass vier Millionen Euro zugunsten von Lactalis verbleiben. "Mit unserem Entgegenkommen hoffen wir, den Weg für eine gütliche Einigung geebnet zu haben, so dass es auch zu einer zügigen Auszahlung der Geschäftsanteile an die Milcherzeuger kommen kann", sagt Morten Felthaus, Geschäftsführer bei Lactalis. Das Angebot sei den Bauern am vergangenen Freitag unterbreitet worden, um den Konflikt zügig zu lösen.
  • Der Erfolg: Dass die Milchbauern keine Angst vor einem Rechtsstreit mit dem französischen Konzern haben, zeigten sie bei der Gesellschafterversammlung im Januar. Die Anwesenden stimmten ausnahmslos dafür, gegen die Klage wegen arglistiger Täuschung über 23,5 Millionen Euro vorzugehen. Gerhard Glaser, Vizepräsident des Landesbauernverbands, sagte damals gegenüber dieser Zeitung: "Lactalis wird vor Gericht keinen Erfolg zu erwarten haben. Sie tun gut daran, die Wunden wieder zu heilen." Die Franzosen haben nun wohl eingesehen, dass sie mit der 19,5-Millionen-Forderung keine Chance vor Gericht haben werden. Denn: Der neue Faktor wird vom Staat festgelegt und ist noch gar nicht rechtskräftig eingeführt. Glaser sagte dazu: "Der neue Faktor wird in der Zukunft nichts verändern. Die Forderung von Lactalis ist absurd." Dennoch klagten die Franzosen, doch die Milchbauern sind hart geblieben. Für die OOMW kann das Lactalis-Angebot als Etappensieg gewertet werden. Allerdings mit einem Manko: Bei einer außergerichtlichen Einigung verbleiben vier Millionen Euro auf Seiten der Franzosen.
  • Die Aussichten: Derzeit beraten die Milchbauern, ob sie auf den Kompromiss eingehen wollen. Eine Entscheidung könnte in den nächsten Tagen fallen. Eine Tendenz lässt sich nicht erahnen. OOMV-Geschäftsführer Erich Härle gab in verschiedenen Medien bereits zu, dass an den Forderungen wegen Mängel beim Brandschutz und in der Produktion durchaus etwas dran sei. Er wolle sich mit Lactalis wegen dieser Ansprüche bei einer Summe zwischen null und vier Millionen Euro treffen.
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