Erst 1,8 Prozent, dann ein Prozent und jetzt nur noch 0,5 Prozent: Die Wachstumsprognose der Bundesregierung schmilzt dahin wie ein Schneemann in der Frühlingssonne. Mit ihrer pessimistischen Sicht befindet sich die Regierung in guter Gesellschaft. Auch die fünf Wirtschaftsweisen und die wichtigsten Wirtschaftsforschungsinstitute hatten zuletzt ihre Vorhersagen gesenkt. Die Konjunkturdelle ist allerdings kein Grund zur Panik. Schon im kommenden Jahr soll die Wirtschaft laut der Regierungsprognose wieder um 1,5 Prozent wachsen. Auch die Finanzmärkte bleiben bisher erstaunlich ruhig. Statt einzuknicken hat der deutsche Aktienindex Dax zuletzt wieder die psychologisch wichtige Marke von 12 000 Punkten erklommen.

Mehr Sorgen macht die langfristige Perspektive der deutschen Wirtschaft. Denn aus der Politik kommen kaum Impulse. Die Abschaffung des Solidaritätszuschlags und der von Wirtschaftsminister Altmaier angekündigte Bürokratieabbau lassen auf sich warten. Und technologisch hinken die meisten Unternehmen weiter bei Zukunftsthemen wie der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz hinterher. Die sich abschwächende Konjunktur könnte ein Warnruf zur rechten Zeit sein.