Es ist zu schön, um wahr zu sein: Der Konjunkturmotor brummt nur so, die Beschäftigung in Deutschland ist auf Rekordniveau, Europa erholt sich von der zehn Jahre alten Krise, Amerika und die Welt ebenso. Die deutsche Wirtschaft profitiert davon und exportiert weiter weltmeisterlich. Deutschland hat eine neue Regierung, die Versäumtes nachholen und Neues vorantreiben will. Doch so schön wird es wohl nicht bleiben. Man könnte auch in freier Abwandlung eines weltberühmt gewordenen Spruches sagen: „Niemand hat die Absicht, Arbeitsplätze abzubauen.“

Da sind zum einen die Zinsen. Je besser die Konjunktur läuft und je mehr die Einkommen in Europa steigen, umso eher wird die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Nullzinspolitik beenden. Das könnte Turbulenzen an den Finanzmärkten auslösen, selbst wenn sich die Börsen bereits auf die Zinswende eingestellt haben. Versäumt aber die EZB, die Zinswende in Zeiten guter Konjunktur rechtzeitig einzuläuten, bevor die nächste Rezession beginnt, dann fehlen ihr die Instrumente der Geldpolitik, um einer Krise gegenzusteuern.

Des Weiteren ist da der Welthandel. Der funktioniert unter einem filigranen Regelgerüst, das die Industrieländer in Jahrzehnten unter Führung der USA und Europas mühsam austariert haben. Nun ist der US-Präsident auf dem besten Weg, dieses Regelgerüst einzureißen. Exportnationen wie China und Deutschland werden dies am ehesten zu spüren bekommen, wenn Donald Trumps Beispiel einer Abschottung der eigenen Wirtschaft Schule machen sollte.

Als drittes Thema wird das Wohnen die Gemüter vieler Menschen weiter beschäftigen. Wie und wo wir wohnen, ist eins der wichtigsten Themen für den Alltag der Bürger. Doch in zahlreichen Groß-, Mittel- und Universitätsstädten ist ausreichender Wohnraum für Gering- und Normalverdiener kaum mehr erschwinglich. Selbst Familien mit überdurchschnittlichen Einkommen ächzen unter hohen Kaufpreisen und Mieten.

Wenn in der Vergangenheit Städte gewachsen sind, ist dies zumeist an den Rändern geschehen. Hier und da wurde auch in die Höhe gebaut. Doch echte Hochhäuser sind in Deutschland zumeist Bürotürme. Der Bau neuer Siedlungen an den Stadträndern aber stößt an zweierlei Grenzen. Statt auf Grundstücken in öffentlichem Eigentum in großem Stil bezahlbaren Wohnraum zu bauen, werden diese Flächen eher an Investoren verkauft, die auf weiter steigende Preise spekulieren. Zum anderen sind die Kapazitäten der Baufirmen schon jetzt bis an die Schmerzgrenze ausgelastet. Und sollten tatsächlich die Bauzinsen steigen, könnte der Bauboom abflachen, noch ehe die Nachfrage auch nur annähernd befriedigt ist.

Und schließlich ist da das Mega-Thema Digitalisierung. An vielen Standorten wird inzwischen zwar das Glasfasernetz ausgebaut; wie aber Regierungen mit dem drohendem Ersatz menschlicher Arbeit durch Roboter umgehen wollen und wie mit der Datenflut, dafür zeichnen sich noch keine Lösungen ab.

Sind die guten Zeiten also vorbei? Das nicht, es werden neue gute Zeiten kommen. Nur weiß man noch nicht wann.