Das Coronavirus treibt auch die Wirtschaft in Südbaden um. Deren Abhängigkeit von Teilen aus asiatischer Produktion ist derart gewachsen, dass ausbleibende Lieferungen auch die Räder in deutschen Fabriken zum Stillstand bringen könnten. Noch ist es aber nicht soweit, betonte Bernd Bartmann bei der Pressekonferenz des Wirtschaftsverbandes Industrieller Unternehmen Baden (wvib) in Freiburg. Das Vorstandsmitglied der Progress-Werke Oberkirch AG mit 3300 Beschäftigten auf drei Kontinenten blickt hoffnungsvoll auf den nächsten Montag. Dann sollen die wegen des Virus geschlossenen Fabriken in China ihre Arbeit wieder aufnehmen. Je nach Entwicklung „ist es aber auch möglich, dass die Schließungsverordnung verlängert wird“, meinte Bartmann, dessen Unternehmen unter anderem Metallkomponenten für die Autoindustrie fertigt.

Weniger ausgelastet

Ansonsten ist der konjunkturelle Abschwung auch bei den wvib-Mitgliedsunternehmen angekommen, wie eine Umfrage des Verbands unter seinen etwa 1000 Firmen ergab. Während 2018 noch 73 Prozent der Betriebe eine Vollauslastung ihrer Kapazitäten angaben, waren es jetzt lediglich 49 Prozent, berichtete Christoph Münzer, Hauptgeschäftsführer des wvib. Die Umsätze gingen bei 51 (2018: 19) Prozent der Befragten zurück, über wachsende Auftragseingänge freuten sich lediglich noch 29 (61) Prozent.

Talsohle erreicht?

Das Gute am Schlechten für die Firmen: Der Fachkräftemangel wird sich laut wvib „in den kommenden Monaten entspannen“. Positiv für die Beschäftigten: 80 Prozent der Verbandsmitglieder wollen ihre Mitarbeiterzahlen halten, zum Teil sogar aufstocken. Ohnehin signalisiert das Umfrageergebnis, „dass die konjunkturelle Talsohle möglicherweise erreicht ist“, so Münzer. Immerhin gehe ein Viertel der Firmen für die nächsten sechs Monate von steigenden Umsätzen aus, während knapp die Hälfte eine gleichbleibende Entwicklung für sich vorhersage.

Weniger Planungssicherheit

Die Zeiten langfristiger Planungssicherheit scheinen indes vorbei, wie Alexandra Laufer-Müller deutlich machte. Die Geschäftsführerin der Donaueschinger AP&S International GmbH, Produzent von Anlagen für die Halbleiterindustrie mit 170 Beschäftigten, erhielt unlängst von einem Großunternehmen die Auskunft: „Wir fahren nur noch auf Sicht.“