Friedrichshafen – Was einst nur Hobby war, entwickelte sich in den vergangenen Jahren zu einem ernst zu nehmenden Wirtschaftszweig: Das Interesse an klassischen Automobilen hält ungebrochen an. Das wurde beim Branchengespräche auf der Messe Klassikwelt Bodensee in Friedrichshafen deutlich. „Das Handelsvolumen der Ware Oldtimer wurde vor drei Jahren auf 14 Milliarden Euro geschätzt“, sagt Stefan Röhrig, Leiter des Fachbereichs Historische Fahrzeuge beim Verband der Automobilindustrie. 2500 Betriebe mit durchschnittlich sechs bis acht Mitarbeitern seien deutschlandweit mit Handel und Reparatur der rollenden Kulturgüter befasst.

Hinter dem attraktiven Hobby verbirgt sich oft auch ein Geschäftsinteresse, was zu einer Spaltung des Marktes geführt hat. Während Spekulanten im Segment der Premiummarken wie Porsche oder Mercedes Wertsteigerungen von bis zu 600 Prozent innerhalb der letzten 15 Jahre erzielten und bei Raritäten wie dem Mercedes 300 SL mit Flügeltüren bereits die Millionengrenze geknackt haben, freut sich die Club- und Enthusiastenszene am Basteln, Schrauben und Fahren. In diesem Segment sind gut erhaltene Fahrzeuge bereits für 6000 Euro zu haben. Im Schnitt rollen sie für etwa 16¦000 Euro vom Hof. Während dieser Marktbereich nach wie vor einen deutlichen Aufwärtstrend zeigt, ist die Luft auf dem Gipfel dünner geworden. „Es werden keine x-beliebigen Mondpreise mehr bezahlt, es herrscht wieder mehr Realismus“, sagte Götz Knoop, Vizepräsident des Bundesverbands für Clubs klassischer Fahrzeuge beim Branchengespräch.

Doch was unterscheidet ein altes Auto vom Sammlerstück? „Hier ist heutzutage die Originalität von wertbildender Bedeutung“, sagt Knoop. Doch eine eindeutige Definition dessen, was „original“ ist, kennt die Branche nicht. Während im konservativen Sinne nur der Auslieferungszustand zählt, werden anderswo auch Veränderungen während der Gebrauchszeit toleriert. Doch für die meisten Oldtimerliebhaber dürfte der Gewinn in erster Linie emotionaler Natur sein. Denn bei einem durchschnittlichen Fahrzeug fressen die Unterhalts- und Instandhaltungskosten meist die Wertsteigerung auf. Allein die Restauration eines solchen Objekts schlägt unter Umständen mit mehr als dem Kaufpreis zu Buche.

Nach wie vor verzeichnet die Zulassung von Fahrzeugen mit H-Kennzeichen – also von Fahrzeugen, die älter als 30 Jahre sind – einen jährlichen Zuwachs von 10 Prozent. 2015 waren es 388¦000 Exemplare. Doch eine Oldtimerschwemme werde es nicht geben, sagt Knoop. Denn moderne Fahrzeuge mit geringem Schadstoffausstoß seien billiger zu halten als ein Oldi mit steuerbegünstigtem H-Kennzeichen.

Die 9. Klassikwelt Bodensee findet bis einschließlich Sonntag, 5. Juni statt. Auf dem Messegelände in Friedrichshafen stellen rund 800 Aussteller und Clubs klassische Automobile, Motorräder, Flugzeuge, Boote und Traktoren aus.