Einen enormen bürokratischen Aufwand und erhebliche Kosten befürchtet der deutsche Einzelhandel durch eine neue Pflicht zum Kassenbon. „Im Einzelhandel in Deutschland rechnen wir mit mehr als zwei Millionen Kilometern zusätzlicher Länge an Kassenbons im Jahr“, sagte der Steuerexperte des Handelsverband Deutschland (HDE), Ralph Brügelmann.

Die Anzahl und Länge der auszugebenden Kassenzettel werde spürbar zunehmen. Besonders stark betroffen seien Unternehmen, die viele günstige Artikel verkaufen. Vor allem die Bäcker wehren sich gegen die Bon-Vorschrift. Denn bisher ist die Ausgabe von Kassenzetteln in Bäckereien unüblich – außer der Kunde besteht ausdrücklich darauf.

Die Kassenbon-Pflicht ist Teil der Kassensicherungsverordnung, die Steuerbetrug an der Ladenkasse verhindern soll. Demnach sollen Kassen durch eine technische Sicherheitseinrichtung (TSE) fälschungssicher werden. Ursprünglich sollten alle Kassen bis zum Jahresbeginn 2020 die neuen Vorschriften erfüllen, das Finanzministerium räumte nun Zeit bis September ein. Der HDE kritisierte, die benötigte Technik sei noch nicht am Markt verfügbar und die Umstellung kostspielig. „Erste grobe Kostenschätzungen liegen einschließlich Installation zwischen 300 und 500 Euro pro Kasse.“

In Bäckereien sind Kassenbons bisher  unüblich – doch das ändert sich 2020.
In Bäckereien sind Kassenbons bisher unüblich – doch das ändert sich 2020. | Bild: Friso Gentsch

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag rechnet zudem mit mehr Ausgaben im laufenden Betrieb. Die Bon-Pflicht „bedeutet gerade für kleine Händler erhebliche Mehrkosten für Papier, Druck und Entsorgung der liegengebliebenen Bons“, sagte Steuerexperte Rainer Kambeck.

„Riesige Umweltverschmutzung“

Laut Brügelmann könne die Umstellung der Kassen Steuerbetrug zwar eindämmen, die Beleg-Pflicht trage aber nicht dazu bei. „Denn mit dem ersten Tastendruck beim Kassieren wird eine Transaktion eröffnet, die sich bei einer mit einer TSE ausgerüsteten Kasse nicht mehr ohne Spuren löschen lässt. Ob dann der Kunde einen Beleg bekommt oder nicht, ist unerheblich.“

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Auch in unserer Region stößt die Bon-Pflicht auf Kritik. „Bei hochwertigen Gütern macht es Sinn, einen Bon auszudrucken“, sagte Utz Geiselhart, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Südbaden. Schließlich brauche man einen Beleg, wenn man Kleidung oder Elektrogeräte umtauschen möchte oder etwas zu bemängeln habe. Doch überall dort wo es wie beim Bäcker oder am Kiosk nur um Kleinstbeträge gehe, habe sich die jetzige Regelung bewährt. „Es reicht, wenn man wie heute einen Beleg nur auf Wunsch bekommt“, sagte Geiselhart.

Stefan Körber, Hauptgeschäftsführer des Bäckerinnungsverbands Baden, hält die Neuregelung ebenfalls für praxisfern. „Die meisten Kunden wollen keinen Bon“, sagte er. Die Bon-Pflicht sei eine „riesige Umweltverschmutzung ohne Zusatznutzen“.