Der Medizintechnikspezialist Karl Storz setzt zur Belieferung von Messen und Veranstaltungen in Zukunft nicht mehr auf eigene Fahrer. Nach Informationen unserer Zeitung hat das Familienunternehmen einen Teil seines Logistik-Geschäfts an einen externen Dienstleister ausgelagert. Dem vorausgegangen waren Auseinandersetzungen mit Mitarbeitern über Gehälter beziehungsweise Lenkzeiten und Überstundenregelungen.

Auf Nachfrage teilte das in Tuttlingen ansässige Medizintechnik-Unternehmen mit, man habe sich "dafür entschieden, die bislang intern ausgeführten Transportdienstleistungen in einem geordneten Betriebsübergang an die Firma 2M Logistics GmbH zu übergeben". Damit werden beispielsweise die Auslieferung von medizintechnischem Gerät wie Endoskopen, Kameras oder Lasersystemen an Messen, aber auch Werksfahrten und bestimmte Transporte zu Kunden und Lieferanten, seit Ende April diesen Jahres von einer erst kürzlich gegründeten, externe Firma erledigt. Die Ausgliederung wurde bereits Ende März beschlossen und von Firmenchefin Sybill Storz und ihrem Sohn Karl-Christian abgesegnet.

Vom Unternehmen hieß es, man wolle sich zukünftig auf das angestammte Kerngeschäft der Medizintechnik konzentrieren. Gleichzeitig solle sichergestellt werden, dass die "diversen Transportaufgaben durch einen spezialisierten Dienstleister zuverlässig ausgeführt" werden. Insbesondere gehe es darum, "Engpässe zu vermeiden", die etwa in der Messesaison entstünden. Überdies würden alle bisher bestehenden Arbeitsverhältnisse zu "identischen Rahmenbedingungen" fortgeführt.

Bei der Ausgliederung von Betriebsteilen sind die Rechte der Arbeitnehmer geschützt – allerdings nur für ein Jahr. Danach können Verträge und Konditionen neu verhandelt werden, was bei den betroffenen Mitarbeitern für erhebliche Unruhe sorgt. Mehrere Logistiker haben nach Informationen dieser Zeitung bereits ihre Kündigung eingereicht. Bei dem ausgelagerten Firmenteil handelt es sich nach SÜDKURIER-Informationen um den eigenen Fuhrpark des Unternehmens – insgesamt 18 Lastwagen oder kleinere Lieferfahrzeuge, die von insgesamt 19 Mitarbeitern bewegt und disponiert werden. Im Hintergrund der Entwicklung bei Karl Storz steht ein Branchen-Trend. "Die Bereiche Transport und Logistik sind aktuell stark auslagerungsgefährdet", sagt etwa Walter Wadehn, erster Bevollmächtigter der IG Metall in Albstadt. Grund seien Kostensenkungen der Firmen. Diese ließen sich realisieren, weil die Tariflöhne etwa im Metall- und Elektrobereich höher ausfielen als diejenigen für die Logistikbranche. Mitarbeiter auszugliedern, lohne sich also finanziell. Auch nicht tarifgebundene Firmen wie Karl Storz profitierten, da sich die Gehälter dort oft ans Tarifniveau anlehnten.

Insbesondere der IG Metall ist diese Entwicklung ein Dorn im Auge. Monatelang versuchte man durch die Schaffung eigener Tarifverträge für Speditions-Dienstleister – sogenannte Kontraktlogistiker – gegenzuhalten. Bundesweite Verhandlungen für einen flächendeckenden Kontraktlogistik-Tarifvertrag scheiterten jedoch Ende April diesen Jahres. Stattdessen handelt die Gewerkschaft nun mit einzelnen Betrieben separate Regelungen aus.

Zankapfel Betriebsratgründung

Neben dem Branchentrend könnte die Auslagerung bei Karl Storz aber noch von einem weiteren Faktor gefördert worden sein. Seit Monaten befand sich die Leitung des hauseigenen Logistikzentrums in Neuhausen ob Eck nahe Tuttlingen in einer Auseinandersetzung mit Teilen ihrer Fahrer. Wie aus dem Unternehmen verlautet, begann der Zoff Anfang 2016. Damals wurden die Lkw-Lenker von Führungskräften aufgefordert, neue Arbeitsverträge zu unterzeichnen, die massive Gehaltskürzungen "von 40 bis 50 Prozent" vorsahen. Gleichzeitig klagten diese über zunehmenden Druck seitens von Vorgesetzten und einer sehr hohen Arbeitsbelastung, die gesundheitliche Probleme nach sich gezogen hätte. Dennoch einigte man sich Mitte 2016 auf neue Verträge, die nach Angaben der Betroffenen "ein gerade noch akzeptables Maß an Kürzungen" beinhalteten. Aus bislang unklaren Gründen eskalierte die Lage daraufhin erneut.

Das Unternehmen dementiert einen Zusammenhang dieser Ereignisse mit der jetzt erfolgten Ausgliederung. Diese sei ausschließlich zur Verbesserung der Flexibilität erfolgt, heißt es. Gleiches gilt für einen möglichen Zusammenhang mit Vorstößen einzelner Storz-Fahrer zur Gründung eines Betriebsrats, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern. "Diese Betriebsratsangelegenheit" habe bei der Ausgliederungsentscheidung keine Rolle gespielt, sagte eine Karl-Storz-Sprecherin.

Karl Storz, das in Tuttlingen knapp 2000 und weltweit rund 7500 Menschen beschäftigt, hat keinen Betriebsrat. Die meisten Konkurrenten wie die ebenfalls in Tuttlingen ansässige B.Braun-Tochter Aesculap verfügen dagegen seit Jahren über ein entsprechendes Gremium. Offenbar schlagen sich die aktuellen Vorgänge auch auf das Betriebsklima nieder. Zumindest legen das Daten der Web-Plattform Kununu nahe, auf der Mitarbeiter ihre Arbeitgeber bewerten können. Hier schneidet Karls Storz schlechter ab als der Branchenschnitt – und deutlich schlechter als Medizintechnik-Konkurrent Aesculap.