Ein gewaltiger Ceiba-Baum ziert den zentralen Platz des Städtchens San Pablo in Guatemala. Es ist der Nationalbaum des mittelamerikanischen Landes. Doch in der Region gibt es vor allem die Kaffeepflanzen der vielen kleinen Plantagen: In Europa ist Kaffee aus Guatemala gefragt. Nach Angaben der EU-Kommission wurden im vergangenen Jahr rund 43 000 Tonnen Kaffee im Wert von 130 Millionen Euro aus Guatemala in die EU exportiert. Ein großer Teil davon landet als Fairtrade-Bio-Kaffe in den deutschen Geschäften.

„Nicht mehr rentabel“

Das könnte sich allerdings ändern – wegen des niedrigen Weltmarktpreises sind die Kaffeebauern der Region in einer existenzbedrohenden Situation. „Der Kaffeeanbau ist heutzutage definitiv nicht mehr rentabel“, sagt José de León, der mit einer fünf Hektar großen Plantage zu den größten Kleinbauern von San Pablo gehört. Seit vier Jahren schreibe in San Pablo so gut wie jeder Verluste, erzählt Don José, wie der 63-jährige Landwirt genannt wird. Viele gäben den Kaffeeanbau auf, nicht wenige wanderten wegen fehlender Alternativen aus.

Der 63-jährige Kaffee-Bauer Jose de Leon steht auf eine seiner Plantagen in Guatemala. Er sagt, dass der Kaffeeanbau nicht mehr rentabel ist.
Der 63-jährige Kaffee-Bauer Jose de Leon steht auf eine seiner Plantagen in Guatemala. Er sagt, dass der Kaffeeanbau nicht mehr rentabel ist. | Bild: Nick Kaiser,dpa

Der Preis für Rohkaffee fiel im August nach Angaben der International Coffee Organization (ICO) im Vergleich zum Juli um knapp 7 Prozent. Mit 96,07 US-Cent pro Pfund lag der Durchschnittswert um mehr als 8 Cent unter dem Wert vom August 2018. Im April 2011 hatte der Preis noch mehr als 2,30 Dollar betragen. Nach Angaben des ICO liegt dies an einem Überangebot auf den Weltmärkte – die Exportmengen steigen jedes Jahr. Die größten Ausfuhrländer sind Brasilien und Vietnam.

Kaffee-Früchte an einer Kaffeepflanze. Die niedrigen Weltmarktpreise machen den Erzeugern immer mehr zu schaffen.
Kaffee-Früchte an einer Kaffeepflanze. Die niedrigen Weltmarktpreise machen den Erzeugern immer mehr zu schaffen. | Bild: Nick Kaiser, dpa

„Kaffee ist der weltweit zweitwichtigste gehandelte Rohstoff, hinter Rohöl“, sagt Katrin Knauf vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut. Dem Überangebot stehe kein nennenswerter Nachfrageschub gegenüber, vor allem nicht aus China. Ebenso sei nicht erkennbar, dass Kaffee in anderen Produkten wie Kosmetik verwendet werde.

Immer häufiger Angebots-Käufe

Beim Blick in die deutschen Verkaufsregale fällt auf: Verbraucher kaufen Kaffee häufig im Angebot. Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Nielsen stieg der Absatzanteil von Filterkaffee, der im Angebot erhältlich ist, im ersten Halbjahr auf 61 Prozent. In der entsprechenden Zeit des Vorjahres waren es 59 Prozent.

Kaffeebohnen nach der Röstung.
Kaffeebohnen nach der Röstung. | Bild: Marcus Brandt, dpa

Etwa 80 Prozent der rund 60 000 Bewohner von San Pablo leben Don José zufolge vom Kaffeeanbau. 87 Bauern haben sich zu einer Kooperative zusammengeschlossen, die dem nationalen Verband Fedecocagua angehört. Dieser vermarktet den Kaffee. Pro Zentner Kaffee müsse man 750 Quetzal (rund 86 Euro) einnehmen, um über die Runden zu kommen, rechnet Don José vor. „Wir verkaufen im Moment für 650.“ Nur weil der Verband etwas dazugebe, könnten viele überhaupt noch weitermachen.

Man halte sich an die von den USA und der EU geforderten Bio-Standards, erklärt Leonel Carmelo, technischer Berater von Fedecocagua in San Pablo. Das werde aber nicht entsprechend vergütet. „Die Erzeuger fragen uns: Was bringt uns die Zufriedenheit, dass unsere Kunden ein chemiefreies Produkt konsumieren können, wenn wir Hunger leiden?“

Das Geld reicht nicht

Die Bauern könnten es sich nicht leisten, ihren Arbeitern den gesetzlichen Mindestlohn von umgerechnet gut 10 Euro am Tag zu zahlen, sagt Carmelo. Das Geld reiche auch nicht mehr, um so oft zu düngen, neu anzupflanzen oder Unkraut zu beseitigen wie zuvor. Darunter werde auf längere Sicht die Qualität leiden, und für die Arbeiter gebe es weniger Jobs. „Weil sie auch sonst in der Umgebung nichts finden, wandern sie aus – in die Städte, nach Mexiko oder dahin, wo alle hin wollen: in die USA“, sagt Carmelo.

Weiter harte Zeiten

Die an Bauern gezahlten Preise reichten oft nicht aus, um die Produktionskosten zu decken, heißt es in einem ICO-Bericht. Die Existenzgrundlage von Kleinbauern sei ernsthaft beeinträchtigt. „Multinationale Kaffeekonzerne zahlen Kaffeebauern zum Teil nur ein Viertel des im Internationalen Kaffeeabkommen von 1983 festgelegten Preises“, betont Fernando Morales-de la Cruz, Gründer der Initiative Café for Change. Die EU sei als wetlweit größter Kaffee-Importeur der größte finanzielle Nutznießer des Elends in den Anbauregionen, meint er. Es bleiben harte Zeiten für Kaffee-Bauern wie Don José.