1. Kommen jetzt Negativzinsen für Privatkunden? Ralf-Joachim Götz, Chefvolkswirt der Deutschen Vermögensberatung AG (DVAG), hält das für möglich. „Die meisten deutschen Sparer haben eine hohe Loyalität zu ihrer Bank und würden ihr Geld nicht sofort abziehen“, sagt er. Dieses Verhalten sei sogar vernünftig, findet er. „Ein Tresor ist im Zweifel teurer als zum Beispiel 0,2 Prozent Negativzinsen auf ein kleines Vermögen zu zahlen“, sagt er.
  2. Kann die Politik Kleinsparer vor Negativzinsen schützen? Die Bundesregierung lotet ein mögliches Verbot von Strafzinsen für Kleinsparer aus. Das Finanzministerium habe eine Prüfung veranlasst, „ob es der Bundesregierung rechtlich überhaupt möglich ist, Kleinsparer vor solchen Negativzinsen zu schützen“, sagte Ressortchef Olaf Scholz (SPD) kürzlich. Zuvor hatte es einen Vorstoß von CSU-Chef Markus Söder gegeben. Bayerns Ministerpräsident hatte eine Bundesratsinitiative angekündigt mit dem Ziel, Beträge bis 100 000 Euro grundsätzlich von Strafzinsen auszunehmen. Juristen halten es grundsätzlich für möglich, ähnlich wie bei der Mietpreisbremse auch im Fall von Negativzinsen die Vertragsfreiheit einzuschränken. Kritiker befürchten, dass Banken im Falle eines Verbots die Kosten für die EZB-Strafzinsen an anderer Stelle wieder hereinholen würden: über steigenden Gebühren für Konto, Karte und Co. Auch Götz spricht er sich gegen ein Verbot von Strafzinsen für Privatanleger aus. „Das wäre ordnungspolitisch nicht sinnvoll.“
  3. Wie beurteilen Ökonomen die zu Ende gehende Amtszeit von EZB-Chef Mario Draghi? Ralf-Joachim Götz sieht die Draghi-Amtszeit kritisch. „Seine Geldpolitik war kein Segen für die Sparer“, sagt er. Allerdings steht er Draghi immerhin zu, dass dieser während der Finanzkrise psychologisch einiges für den Euro getan habe.
  4. Wird die neue EZB-Chefin Christine Lagarde die Niedrigzinspolitik von Mario Draghi fortsetzen? Ja. Davon gehen zumindest die meisten Beobachter aus. „Lagarde wird den Draghi-Kurs beibehalten oder vielleicht sogar verschärfen“, glaubt Götz.
  5. Wie wirkt sich die Niedrigzinspolitik auf den Aktienmarkt aus? „Die Aktienmärkte sind stark zinsgetrieben“, sagt Götz. „Niedrige Zinsen machen Aktien weiter attraktiv“, so der Volkswirt. Zuletzt stieg der deutsche Aktienindex Dax mehrere Tage hintereinander.
  6. Haben Verbraucher auch irgendetwas von den niedrigen Zinsen? Schuldner profitieren. Immobilienfinanzierungen etwa sind derzeit relativ günstig. Viele Bankkunden nutzen das und sichern sich niedrige Hypothekenzinsen für Laufzeiten von 15 oder 20 Jahren. Das Portal „Finanz-Szene.de“ wies jüngst auf Informationen hin, wonach es bald womöglich gar Immobilienkredite mit negativer Verzinsung geben könnte. Heißt: Wer sich zum Beispiel 100 000 Euro von der Bank leiht, muss vielleicht nur 95 000 Euro zurückzahlen.
  7. Wie geht es mit der deutschen Wirtschaft weiter? Zuletzt ist die Wirtschaft leicht geschrumpft. In Europa gehört die deutsche Ökonomie derzeit beim Wachstum zu den Schlusslichtern. Grund dafür ist vor allem die hohe Exportabhängigkeit der deutschen Unternehmen. Der internationale Handelsstreit trifft die Firmen hierzulande stärker als Firmen in anderen europäischen Ländern, die vor allem von der Binnennachfrage leben. Trotzdem gebe es keinen Grund zur Panik, sagt Ralf-Joachim Götz. Auf Jahressicht werde die deutsche Wirtschaft zumindest leicht wachsen und auch im nächsten Jahr erwarten Ökonomen ein Plus.
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