Der Countdown läuft. Auf den letzten Metern dieses Jahres können Millionen Bundesbürger noch so einiges ins Rollen bringen, um ihre Steuerlast für 2019 um viele hundert Euro zu drücken. Etwa mit der Optimierung der Steuerklasse, wie Robert Dottl erläutert, Vorstandsvorsitzender der Lohnsteuerhilfe Bayern (Lohi). Der kleine Kniff kostet nichts, kann aber viel bringen. Noch mehr ist mit gezielten Investitionen bis Silvester drin – wenn es das eigene Konto zulässt. Werden Steuervorteile nicht ausgeschöpft, sind sie mit dem Knallen der Böller zum Jahreswechsel verloren. Hier sind die besten Steuersparchancen:

  • Steuerklasse optimieren

Sehr viele Arbeitnehmer zahlen über das Jahr hinweg mehr Lohnsteuer als sie eigentlich müssten, weil die Steuerklasse nicht mehr passt. Beispielsweise dann, wenn Ehe- oder eingetragene Lebenspartner dieses Jahr eine Gehaltserhöhung bekommen oder die Arbeitszeit reduziert haben. Auch bei Veränderungen wie Trennung, Geburt eines Kindes, Jobverlust oder dem Ruhestand eines Partners kann sich die Optimierung der Steuerklassen finanziell lohnen, wie Dottl erklärt. Ein Wechsel ist aber nur noch bis 30. November beim Finanzamt möglich. Er gilt rückwirkend für das ganze Jahr 2019 und kostet keinen Cent. Wird der Wechseltermin verpasst, wirkt sich eine mögliche Ersparnis erst mit Verzögerung bei der Steuererklärung aus. Die Steuerklasse optimieren kann auch viel Geld wert sein, wenn ein Partner 2020 voraussichtlich arbeitslos wird oder Nachwuchs in Planung ist. Die staatlichen Leistungen fallen dann höher aus.

  • Freibeträge holen

Auch dieser Kniff kostet nichts: Viele Arbeitnehmer mit regelmäßigen finanziellen Belastungen können sich über Freibeträge auf der elektronischen Lohnsteuerkarte mehr finanziellen Spielraum sichern. Zum Beispiel dann, wenn es um die Fahrten zum Arbeitsplatz geht, um Pflegekosten, Fortbildung oder doppelte Haushaltsführung. Das Kümmern um Freibeträge kann monatlich einige hundert Euro mehr netto bringen, je nach Verdienst und Steuersatz. Auch hier ist der 30. November der letzte Termin für einen Antrag beim Finanzamt.

  • Krankheitskosten bündeln

In den meisten Familien kommt übers Jahr so einiges an Ausgaben für die Gesundheit zusammen: Die einen brauchen Zahnspangen, die anderen eine neue Brille oder Zahnersatz. Solche Kosten sind aber erst ab einer bestimmten Hürde absetzbar. Je mehr Rechnungen und je weniger Einkommen ein Steuerzahler hat, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Fiskus daran beteiligt. Wer 2019 schon viel für Behandlungen ausgeben musste, sollte den anstehenden Kauf der neuen Einlagen oder der Brille bis Silvester auch noch angehen, wenn es finanziell drin ist, rät Erich Nöll, Geschäftsführer des Bundesverbands Lohnsteuerhilfevereine (BVL). Denn: Das Absetzen von außergewöhnlichen Belastungen wie Krankheitskosten ist deutlich leichter geworden. Zusammengezählt wird alles, was der Arzt verordnet hat und was von den Kassen nicht erstattet wird wie etwa Rezeptzuzahlungen, Kuren, Massagen, Augenlasern oder auch Therapien. Es kann sich sogar lohnen, eine Arztrechnung noch bis Silvester zu zahlen, obwohl die Behandlung erst 2020 weitergeht. Das kann einen Steuervorteil von einigen hundert Euro bedeuten.

  • In den Job investieren

Was sich jetzt ebenfalls noch dicke rechnen kann, ist die gezielte Anschaffung von Arbeitsmitteln. Das drückt die Steuerlast. Wer privat ein neues Notebook, Smartphone oder einen Computer kaufen will, den er auch beruflich nutzt, sollte das nicht auf 2020 verschieben – wenn er es sich leisten kann. Dasselbe gilt für die Anschaffung von Büromaterialien, einer neuen Aktentasche oder eines Schreibtisches. Denn für Ausgaben rund um den Beruf rechnet der Fiskus jedem Beschäftigten 1000 Euro Werbungskostenpauschale an. Das ist der Arbeitnehmer-Pauschbetrag, der von den Einnahmen abgezogen wird, selbst wenn der Einzelne weniger Aufwendungen hatte. Wer noch mehr ausgibt, kann die tatsächlich angefallenen Kosten ansetzen. Dabei gilt: Ein Arbeitsmittel, das (einschließlich der Umsatzsteuer) maximal 952 Euro gekostet hat, kann im Jahr der Anschaffung in voller Höhe abgesetzt werden. Bei teureren Anschaffungen müssen die Kosten auf die voraussichtliche Nutzungsdauer verteilt (also abgeschrieben) werden.

  • Helfer für zu Hause engagieren

Richtig viel Steuerersparnis ist mit Ausgaben rund um den Haushalt drin, insgesamt bis zu 5710 Euro im Jahr. Sie drücken direkt die Steuerlast. Beispiel Handwerker: Wer dieses Jahr schon Reparaturen daheim hatte, aber vor hat, bald auch noch die Wände streichen oder das Parkett abschleifen zu lassen, sollte das möglichst noch bis Silvester tun. Grundsätzlich dürfen 20 Prozent des Arbeitslohns von bis zu 6000 Euro abgesetzt werden. Die Begrenzung liegt damit bei maximal 1200 Euro im Jahr. Absetzbar ist alles, was mit Renovierung, Erhalt oder Modernisierung zusammenhängt, allerdings nur Arbeitslohn, Anfahrt und Maschinenmiete. Auch die Reparatur von Waschmaschine, Geschirrspüler oder Computer daheim zählen. Außerdem absetzbar: die Beschäftigung einer Haushaltshilfe, eines Gärtners, Fensterputzers, Altenpflege-, Umzugs- oder Schneeräumdienstes. 20 Prozent von bis zu 20 000 Euro Kosten dürfen in die Steuer, macht maximal 4000 Euro im Jahr. Wer seine Putzkraft als Minijobber im Privathaushalt angemeldet hat, kann die dritte Sparchance abschöpfen, nämlich 20 Prozent der Lohnkosten, maximal 510 Euro.