Bereits seit Jahren befindet sich Italien in einem maroden Zustand, und leider gibt es bis dato nichts Positives zu berichten – ganz im Gegenteil. Am 4. März sind Wahlen und es ist davon auszugehen, dass die EU- und Euro-kritischen Parteien die großen Gewinner der Wahl sein werden. Sollte die ganze Situation eskalieren, könnte sogar ein Austritt Italiens, der sogenannte Exit, auf der Agenda stehen. Zweifellos ist Italien mit seinen verkrusteten Verwaltungsstrukturen und seinem mangelnden Willen für tief greifende Reformen einer der Hauptverlierer innerhalb der Eurozone. Die Arbeitslosenrate Italiens beträgt 10,8 Prozent. Unter den Jugendlichen sind sogar über 32 Prozent ohne Job und Perspektive und folglich verlassen immer mehr junge gebildete Menschen das Land. Die staatliche Gesamtverschuldung des Landes betrug zuletzt 133 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, nur Griechenland steht mit 179 Prozent Verschuldung noch schlechter da. Laut Maastricht-Vertrag sind höchstens 60 Prozent erlaubt, doch das interessiert heute anscheinend sowieso keinen mehr in Brüssel. Dort sind Vertragsbrüche Tradition, auch wenn diese Verträge von denselben Ländern gebrochen werden, die sie erstellt haben.

Die Verbindlichkeiten der italienischen Zentralbank (Banca d’Italia) steigen unvermindert. Allein im Dezember 2017 ging es um 3,1 Milliarden Euro auf über 439 Milliarden Euro und damit auf einen neuen Rekord nach oben.

Die Kreditfähigkeit des Landes erodiert seit 2010 kontinuierlich. Italien kann das Zünglein an der Waage sein, wenn es um die Zukunft der EU und des Euros geht. Als drittstärkste Volkswirtschaft in der Eurozone hat Italien das Potenzial, den Euro und schlussendlich die EU zum Einstürzen zu bringen.

Dank der Europäischen Zentralbank (EZB) kann sich Italien bisher viel zu günstig am Kapitalmarkt finanzieren. Die EZB hat große Mengen an Staatsanleihen, insbesondere aus Südeuropa. Bislang beläuft sich der Wert der erworbenen Anleihen auf knapp 2,5 Billionen Euro. Einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zufolge handelt es sich dabei zunehmend um Anleihen von hoch verschuldeten Staaten wie Italien oder Spanien. Italien ist mit knapp 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts besonders stark durch die Anleihekäufe begünstigt und damit in seiner Finanzierung auch besonders davon abhängig geworden. Dies ist nichts anderes als verbotene Staatsfinanzierung durch die Notenbanken. All das hat mit Kapitalismus und freier Marktwirtschaft nichts zu tun – es ist schlicht und einfach Planwirtschaft der Notenbanken, und Planwirtschaft hat bekanntermaßen noch nie funktioniert.

Es muss auch weiterhin wiederholt werden: Innerhalb der Eurozone wird Italien (ebenso wenig wie Portugal, Griechenland, ….) niemals wieder volkswirtschaftlich auf die Beine kommen. Folglich wird die EZB unter der Ägide des Italieners Mario Draghi das Land auch weiterhin am Leben erhalten, denn Italien kann aufgrund seiner Größe nicht wie in der Vergangenheit beispielsweise Griechenland oder Portugal unter den EU-Rettungsschirm fallen. Italien ist schlicht und einfach: too big to fail.

Marc Friedrich ist Ökonom und Bestsellerautor. Gemeinsam mit Matthias Weik schrieb er die Bücher „Der größte Raubzug der Geschichte“ (2013), „Der Crash ist die Lösung“ (2004) und „Kapitalfehler“ (2016).-