Das Internationale Bankhaus Bodensee (IBB) rechnet in den kommenden Jahren nicht mit steigenden Zinsen. "Wir glauben, dass es erst 2021 oder 2022 zu einer Zinswende kommt – und dann auch nur ganz langsam", sagte IBB-Vorstand Klaus Gallist. Das Beispiel Japan zeige, dass ein Nullzinsniveau über lange Jahre anhalten könne. Die Europäische Zentralbank (EZB) habe bei ihrer Geldpolitik nicht in erster Linie den deutschen Sparer, sondern die Staatshaushalte hoch verschuldeter südeuropäischer Länder wie Italien im Blick, so Gallist weiter. Seine Vorstandskollegin Heike Kemmner wies zudem darauf hin, dass Zinserhöhungen angesichts der sich abschwächenden Konjunktur derzeit nicht zielführend seien.

Trotz der Niedrigzinsen läuft es bei der Privatbank weiterhin blendend. Denn das Kerngeschäft des IBB – die Beratung von vermögenden Privatkunden, mittelständischen Firmen und gewerblichen Immobilienkunden – leide nicht unter den Niedrigzinsen. Im Gegenteil, das billige Geld heize den Immobilienmarkt an und erleichtere der Privatbank die Refinanzierung.

Höhere Bilanzsumme

So steigerte das IBB im vergangenen Jahr die Bilanzsumme auf 1,5 Milliarden Euro (plus 10 Prozent), den Zinsüberschuss auf über 40 Millionen Euro (plus 2,8 Prozent) und das Betriebsergebnis vor Steuern auf 16,2 Millionen Euro (plus 27,6 Prozent). Der Jahresüberschuss der IBB blieb mit 5,2 Millionen Euro stabil.

Heinrich Hartmann verlässt den Vorstand

Auch räumlich legte die Bank nach ihrem Umzug in den Competence Park in der Nähe des Friedrichshafener Flughafens zu. Denn am neuen Standort verfügt das IBB über 3000 Quadratmeter Bürofläche und damit 50 Prozent mehr als zuvor. Am neuen Firmensitz beschäftigt das Bankhaus knapp 150 Mitarbeiter und hätte dort genügend Raum, um bis zu 70 weitere Beschäftigte einzustellen. Insgesamt hat das IBB mit Standorten in Konstanz, Radolfzell, Freudenstadt, Künzelsau und München 180 Mitarbeiter. Nicht mehr mit von der Partie ist allerdings Heinrich Hartmann, der den IBB-Vorstand verlassen hat. Künftig setzt das Bankhaus nur noch auf eine Doppelspitze bestehend aus Klaus Gallist, zuständig für Unternehmenskunden und gewerbliche Immobilienkunden, sowie Heike Kemmner, zuständig für Risikomanagement, Unternehmenssteuerung und Kredit.

Viele Risiken am Aktienmarkt

Für 2019 erwartet das IBB "ein gutes Jahr", so Gallist. Im ersten Quartal liege man über den Werten aus dem Vorjahr. Am Aktienmarkt erwartet Gallist dagegen ein baldiges Ende des Kursanstiegs. Er würde angesichts des Dax-Niveaus von über 12 000 Punkten und vielen wirtschaftlichen Risiken nun Gewinne realisieren und seine Aktienquote senken. Diese sollte aber niemals null betragen, ergänzte Kemmner. Aktien gehörten in jedes Depot. Der Anstieg der Immobilienpreise am Bodensee werde dagegen anhalten. "So lange der Arbeitsmarkt intakt ist und Vollbeschäftigung herrscht, werden auch die Immobilienpreise steigen", so Gallist. Diese seien weiterhin attraktiv, um Vermögen zu bilden.