Zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt – in dieser Bandbreite bewegt sich derzeit Südbadens Wirtschaft. „Die gute Konjunktur und Haushaltssituation, nicht zuletzt in Deutschland, wird uns nicht auf Ewigkeit erhalten bleiben“, machte Rudolf Kastner deutlich. So gebe es in einigen Bereichen deutliche Bremsspuren, etwa im Automotivebereich. Der Vorstandschef des Energieunternehmens EGT ist Präsident der Vereinigung Badischer Unternehmerverbände (VBU) mit Sitz in Freiburg. Dort beleuchtete er gemeinsam mit VBU-Hauptgeschäftsführer Michael Hafner und dessen Stellvertreter Manfred C. Noppel die Lage der einzelnen Branchen.

  • Bau: Auf dem Bau – inklusive Holz- und Ausbau – herrscht nach Angaben des VBU weiterhin Hochstimmung. Dem Umsatzwachstum des Vorjahres von 11 Prozent soll ein weiteres Plus von 6 Prozent folgen. Die durchschnittlichen Auftragsbestände lägen bei vier bis fünf Monaten. Der Auslastungsgrad des Maschinenparks sei auf 80 Prozent gestiegen, hieß es weiter. Die Kehrseite: Die Preise legten 2018 um durchschnittlich 4,5 Prozent zu, im ersten Quartal des laufenden Jahres stiegen sie um 4,8 Prozent. Materialkostenerhöhungen sowie Lohnsteigerungen von 5,7 Prozent nannte Kastner als Gründe für den Preisauftrieb.
  • Verkehrsgewerbe: Die Lage im Verkehrsgewerbe hat sich demgegenüber – so der VBU – im vierten Quartal 2018 „signifikant verschlechtert“. Hafner zufolge kämpfen 70 Prozent der Betriebe mit gestiegenen Kosten, etwa bei Personal und Treibstoff. „Die Prognosewerte für das erste Halbjahr 2019 bewegen sich bei der Geschäftslage auf einem Vierjahrestief.“
  • Handel: Der südbadische Handel erzielte nach Angaben von Noppel 2018 eine nominale Zuwachsrate von 1,6 Prozent. Zum Vergleich: Der Bund liegt bei 2,8 Prozent, das Land bei 2,5 Prozent. Der warme Sommer habe die Konsumenten von den Läden ferngehalten. Gleichzeitig zieht der Onlinehandel den stationären Betrieben weiter Kunden ab. Nach einem Plus von 10 Prozent im Vorjahr wird für das Internetgeschäft für 2019 ein Zuwachs von 9 Prozent erwartet.
  • Landwirtschaft: In der Landwirtschaft litten die Schweine- und Ferkelmäster laut VBU unter der Rechtsunsicherheit bei den „Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration“, während die Milcherzeuger durch höhere Anlieferungsmengen unter Preisdruck gerieten. Demgegenüber kamen die Ackerbauern trotz Sommertrockenheit „mit einem blauen Auge“ davon.
  • Hotel- und Gastgewerbe: Im Hotel- und Gastgewerbe wird nach einem Plus im Vorjahr künftig mit einem sinkenden Umsatz gerechnet. 2018 habe die Zahl der Beherbergungsbetriebe um knapp 5 Prozent zugenommen, was zu einem Preisdruck führen werde.

Und quer über alle Branchen hinweg ziehen sich nach Angaben des VBU zwei zentrale Probleme: nämlich der Mitarbeiter- und Fachkräftemangel sowie die Bürokratie.