Deutsche lieben Bananen. Jeder Deutsche isst etwa 11,7 Kilogramm der gelben Frucht im Jahr. Doch die Bananen, die mit dem Apfel zum Lieblingsobst der Deutschen zählt, steckt in einer Krise: Ein aggressiver Pilz breitet sich auf den Plantagen in Kolumbien aus. Aus Mittel- und Südamerika werden schätzungsweise mehr als eine Million Tonnen Bananen jährlich nach Deutschland importiert.

Und so warnt der Deutsche Fruchthandelsverband vor den Folgen für die Verbraucher in Deutschland: „Es ist zu befürchten, dass in absehbarer Zeit keine Bananen der Sorte „Cavendish“ für den deutschen Markt mehr zur Verfügung stehen werden“, heißt es in einer Erklärung. Die Exportsorte ist Marktführer in Deutschland – sie macht zurzeit einen Anteil von mehr als 90 Prozent aus.

Bild: Jens Büttner

Was richtet der Pilz auf den Plantagen an?

Die Pilzkrankheit bringt nicht nur den deutschen Bananen-Markt in Not: Südamerika ist das mit Abstand bedeutendste Herkunftsgebiet von Bananen für den gesamten europäischen und den nordamerikanischen Markt.

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Bisher trat die Bananen-Krankheit vor allem in Asien und Afrika auf, nun hat sie Plantagen des fünftgrößten Bananenexporteurs Kolumbien befallen. Die Stauden der Bananen-Plantagen der Sorte „Cavendish“ sind nach Angaben des Deutschen Fruchthandelsverbands mit der Krankheit Tropical Race 4 (TR 4) infiziert. Der Pilz lasse die Pflanzen absterben. Die befallenen Flächen müssten gerodet werden und seien für den Bananenanbau nicht mehr nutzbar.

Welche Folgen hat das für den deutschen Markt?

Nach Angaben des kolumbianischen Landwirtschaftsinstituts (ICA) sind Bananenstauden auf 175 Hektar im Department La Guajira im Nordosten des Landes betroffen. Davon seien 168,5 Hektar bereits gerodet worden. Bislang ist in Kolumbien nur ein recht kleines Gebiet von der Plage befallen: Insgesamt werden in Kolumbien auf rund 49 000 Hektar Bananen angebaut. Zuletzt führte das südamerikanische Land rund 1,9 Millionen Tonnen Bananen aus. Hauptabnehmer waren Belgien, die USA und Italien.

Bild: Marcel Kusch

Welche Folgen das Auftreten des Pilzes in Südamerika für die Bananenpreise in Deutschland hat, ist derzeit noch nicht abzusehen. Der Fruchthandelsverband erklärte lediglich: „Es gilt auch im Fruchthandel das Gesetz von Angebot und Nachfrage in Bezug auf die Preise.“ Auch die Fruchthandelsgesellschaft Chiquita, einer der größten Bananenexporteure der Welt, fürchtet um die gelbe Frucht. So sagte der Chef von Chiquita Deutschland, Marc Seidel: „Die Gefahr ist extrem hoch, dass es die Bananen, die wir kennen, in ein paar Jahren nicht mehr gibt.“

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Wie geht man in Kolumbien dagegen vor?

Um eine Ausbreitung des Pilzes auf andere Anbauregionen zu verhindern, erklärte die kolumbianische Regierung den Notstand. „Alle Container mit Bananen für den Export werden desinfiziert und ständig kontrolliert, bis sie im Hafen ankommen“, sagte Landwirtschaftsminister Andrés Valencia. Die Behörden und Bauern setzen alles daran, damit sich die Seuche nicht weiter ausbreitet.

Für die Konsumenten stelle der Pilz aber keine Gefahr dar, sagte der Minister. „Der Pilz befällt nicht die Frucht, sondern nur die Pflanze.“ Auch der Deutsche Fruchthandelsverband versicherte, der Pilz sei für den Menschen ungefährlich. Die Bananen könnten bedenkenlos verzehrt werden. Die Bananenkrankheit beeinflusse ausschließlich das Wachstum der Stauden.

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Die Bananensorte „Cavendish“ hatte die bis in die 1960er Jahre vertriebene Sorte „Gros Michel“ ersetzt, die von der Panamakrankheit dezimiert wurde. „Cavendish“ ist zwar resistent gegen den Pilzstamm TR1, der „Gros Michel“ heimgesucht hatte, kann sich aber gegen TR4 nicht wehren.