Die Milchbauern in Baden-Württemberg machen sich fit für die Zukunft. Das müssen sie, denn die Entwicklung der Milchbetriebe in den vergangenen Jahren zeigt ein erschreckendes Bild. Von Mai 2010 bis Oktober 2018 stellten mehr als 4000 Milchviehhalter im Land ihre Produktion ein. Rund fünf Prozent aller Milchbauern geben pro Jahr auf.

Die Kosten für Milchbauern steigen

Dafür verantwortlich ist auch die Politik. Der Vizepräsident des Landesbauernverbands (LBV), Gerhard Glaser, kritisierte in einer Tagung zur Zukunft des heimischen Milchsektors die "katastrophalen" Vorgaben der Politik, die die Hofaufgaben befeuerten. Der Staat überlaste die Milchbauern mit immer neuen Kosten, etwa bei Umweltauflagen, während die Milchpreise gleich blieben. Die Öffnung für den europäischen und globalen Milchmarkt fordere die heimischen Produzenten zusätzlich heraus. Können die Milchbauern in Baden-Württemberg daher künftig überhaupt noch genug Milch liefern?

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Für LBV-Vize Glaser steht fest, dass die flächendeckende Milchversorgung nur möglich ist, wenn die heimischen Bauern mehr produzieren. Das scheint im Moment sogar im Bereich des Möglichen zu sein. "Die Zahl der Höfe hat zwar abgenommen, die Milchmenge ist jedoch gleichgeblieben", sagt etwa Rolf Weidner Ravensburger Kreisvorsitzender vom Bundesverband der Deutschen Milchviehhalter (BdM).

Milchkühe wechseln den Besitzer

Der Grund: Die Flächen der kleinen Betriebe, die zusehends dicht machen, werden im Normalfall durch größere Milcherzeuger gepachtet oder übernommen. Die Kühe seien somit einfach zu einem anderen Besitzer gekommen, sagt Weidner. Für den Landwirt ist durch das grassierende Höfesterben sogar das Gegenteil dessen eingetroffen, was viele vermutet haben. Statt weniger Milch gebe es mitunter für die 18 Molkereien in Baden-Württemberg ein Überangebot. Rund 2,3 Milliarden Kilogramm Milch im Jahr landen in deren Verarbeitung und werden zu Butter, Käse oder Milch für das Verkaufsregal umgewandelt.

Landwirte müssen transparent ihre Arbeit zeigen

Der Trend ist klar: Um rentabel zu bleiben, muss Milch in immer größeren Betrieben hergestellt werden. Im Durchschnitt stehen heute in Baden-Württemberg 65 Kühe im Stall eines Milcherzeugers. Früher war es deutlich weniger, insbesondere da Milch von den Landwirten oft im Nebenerwerb gewonnen wurde. Diese Zeiten sind vorbei. Besonders die Nebenerwerbsbauern waren es, die in den vergangenen Jahren ihren Betrieb eingestellt hatten.

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LBV-Mann Glaser sieht die Milcherzeuger aber auch generell unter Druck. Er konstatiert "ein zunehmend negativ dargestelltes Bild der Landwirte" in der Öffentlichkeit. Für die Milchbranche sei das verheerendes Zeichen. Junge Menschen seien zunehmend abgeschreckt, den Beruf aufzunehmen und orientierten sich anstatt dessen in andere Bereiche. Der Öffentlichkeit müsse die Arbeit eines Landwirts transparent vermittelt werden. Die große Hoffnung ist, dass der Verbraucher das bei seinem Einkauf auch honoriert und auf heimische Produkte zurückgreift. Wer regionale Erzeuger unterstützen will, der könne nicht nur billig einkaufen, sagt Glaser. Denn: Je niedriger der Preis, je weniger bleibt für die Molkerei und schlussendlich für den heimischen Milchbauern übrig.