Immer mehr Textilhersteller steigen durch die Ausbreitung des Coronavirus in die Herstellung von Mundschutzmasken ein. Auch der Unterwäschehersteller Mey aus Albstadt auf der Schwäbischen Alb hat die Produktion der Schutzmasken gestartet – aufgrund der „enormen Nachfrage nach medizinischen Produkten“, wie das Unternehmen mitteilt.

Die Fertigung von Wäschestoffen sind damit in Teilbereichen umgestellt worden. Nachdem die ersten Prüfungen der Schutzmasken erfolgreich waren, hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte laut Mey eine Sonderzulassung erteilt, nach der die Masken als Medizinprodukt im medizinischen Bereich vertrieben werden dürfen.

Tatsächlich sollen die Masken ausschließlich in institutionellen Einrichtungen, „wie beispielsweise Krankenhäusern, Pflegediensten“ zur Verfügung gestellt werden. Sie seien außerdem kein Ersatz für Masken nach FFP2 oder FFP3-Standard.

Bild: Mey
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Noch mehr Textilfirmen wagen den Schritt

Gleich verhält es sich beim schwäbischen Bekleidungshersteller Trigema, der bereits Mitte März an ersten Schnittmustern arbeitete und dem Ende der vergangenen Woche nach eigenen Angaben bereits Aufträge für mehr als 200.000 Stück von Kliniken, Pflegeheimen, Behörden und anderen Einrichtungen vorlagen. Auch sie erfüllen nicht die Schutzklassen FFP2 und FFP3 und sind laut Trigema-Geschäftsführer Wolfgang Grupp beispielweise für Pflegepersonal, Firmen, Behörden und ähnliches gedacht.

Weitere Textilfirmen, die ebenfalls seit neuestem Mundschutzmasken herstellen, sind etwa der Matratzenhersteller Breckle aus Weida in Thüringen und das Bekleidungsunternehmen Eterna aus Passau.

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Sogar aus SÜDKURIER-Verbreitungsgebiet gibt es Mundschutzmasken: Die Firma Madison Cosmetics aus Aach, die auf Verpackungen der Kosmetikindustrie spezialisiert ist und außerdem Kosmetikprodukte herstellt, bezieht Schutzmasken aus Asien und versorgt damit die Region.

„Als die Corona-Pandemie ausbrach, stellten wir uns die Frage, welchen Beitrag wir zur Bekämpfung der Krise leisten könnten“, erklärt Geschäftsführer Antonio Adriano Lucá. Zeitgleich sei seine Firma von Unternehmen, die Lebensmittel- und Drogerieketten beliefern, angefragt worden, ob sie die internationalen Kontakte nach China und Südkorea zur Beschaffung von Masken und anderen Präventionsprodukten nutzen könnte.

Und das habe Madison Cosmetics getan: Mittlerweile verfüge die Firma über eine Kapazität von etwa zwei Millionen Schutzmasken der Schutzklasse FFP1 und eine Millionen der Schutzklasse FFP2 pro Tag. Die Schutzmasken, die Madison Cosmetics aus China und bei Engpässen aus Südkorea bekommt, wurden zudem bei der Einfuhr nach Deutschland von einem externen Labor getestet, um Qualität und Standards zu sichern.

Verkauft werden die Masken laut Lucá an Unternehmen sowie Apotheken. „An Privatpersonen verkaufen wir keine Masken“, betont Lucá. Außerdem seien die Masken nicht das Kerngeschäft von Madison Cosmetics „und wir wollen jegliche Art der Spekulation vermeiden“, so Lucá. Und auch gespendet werden die Masken: Laut Antonio Adriano Lucá vor allem an Hilfsorganisationen aus der Region, wie zum Beispiel das Rote Kreuz im Landkreis Konstanz. Auch stehe Madison Cosmetics im Kontakt mit Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern.

Und auch von einem weiteren Unternehmen aus der Region soll es bald Mundschutzmasken geben: Die Firma Geiger Textil aus Bad Säckingen will Schutze aus einem sogenannten Polyesterfunktionsgewebe und aus Baumwoll-Polyester-Gewebe anbieten.

Die Schiesser Gruppe aus Radolfzell hat beschlossen, freiwerdende Näh- und Produktionskapazitäten Drittfirmen zur Verfügung zu stellen, die Schutzmasken oder Schutzbekleidung herstellen können. Einer der Nähbetriebe von Schiesser in der Slowakei sei bereits durch einen Staatsauftrag zur Produktion von Schutzmasken ausgelastet.

Auch die Automobilbranche steigt mit ein

Und nicht nur Textilhersteller steigen in die Produktion von Mundschutz ein: Der Autolieferer ZF stellt seit Anfang März Schutzmasken für seine Arbeiter in China her, wo das Tragen Pflicht ist. Auch der bayrische Zulieferer Zettl Automotive hat das neue Geschäftsmodell für sich entdeckt. Die fertigen Masken sollen vom THW an Kliniken, Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen verteilt werden.

Und auch weitere Unternehmen schlagen durch das Coronavirus neue Wege ein: Der Autozulieferer Prevent will etwa Schutzbekleidung für Ärzte und Helfer herstellen, Volkswagen Hersteller von Medizintechnik wie Beatmungsgeräten mit dem Bau und der Zulieferung von Teilen unterstützen.