Das ist eine schlechte Nachricht für Europa: Die USA zwingen China unter Androhung von Strafzöllen zum Abbau des Exportüberschusses. Washington hat eine Verringerung des Defizits mit China um 200 Milliarden Dollar bis 2020 verlangt. Details liegen nicht vor. Es wurden aber “bedeutende Erhöhungen” der US-Agrar- und Energie-Exporte nach China angekündigt. Für Deutschland bedeutet das: US-Präsident Donald Trump macht Ernst mit seiner Forderung nach Abbau der Ungleichgewichte im Handel. Und für Deutschland hat sich eine zweite Front geöffnet: Ausgerechnet bei der Verleihung des Karlspreises in Aachen kritisierte der französische Präsident Emanuel Macron den deutschen „Fetischismus“ für Handelsüberschüsse.

Kanzlerin Merkel musste sich das hilflos anhören. Es heißt nicht mehr und nicht weniger, als dass Frankreich eben nicht in unverbrüchlicher Treue gemeinsam mit Merkel die deutschen Überschüsse verteidigen wird – wer würde sich schon selbst als Fetischist bezeichnen? Immerhin kann Präsident Macron darauf hinweisen, dass sein Land eine ausgeglichene Handelsbilanz hat. Die deutschen Überschüsse sind sogar noch größer als die Chinas. So wird es schwierig, den deutschen Handelsbilanzüberschuss zu verteidigen. Er entsteht, weil Deutschland mehr exportiert als importiert. Das ist gut für die Arbeitsplätze – so werden Jobs in Deutschland geschaffen – und beispielsweise in Frankreich, Italien, oder den USA zerstört. Das führt Donald Trump immer wieder als Kritik an; er reagiert mit der Drohung von Strafzöllen darauf. Jetzt hat Macron seine Argumentation übernommen – und China wohl nachgegeben.

In der Vergangenheit hätte ein derartiger Handelsbilanzüberschuss zu Anpassungsreaktionen geführt: Die Deutsche Mark wäre „aufgewertet“, also immer teurer geworden. Aus Sicht der Käufer wären deutsche Exporte teurer, und Importe nach Deutschland billiger geworden: Renault, Fiat und GM hätten ihre Preise in Deutschland senken können; Mercedes und BMW wären in Frankreich, Italien und USA teurer geworden. Der Handelsbilanzüberschuss wäre automatisch reduziert worden.

Möglicherweise wären in Deutschland damit Arbeitsplätze verschwunden. Die Arbeitnehmer wären wohlhabender geworden, denn die Importpreise verbilligen fast alles, von Autos bis Benzin und Auslandsurlaub. Außerdem hätte die Bundesbank die Zinsen erhöht; das verteuert Investitionen. Aber der Mechanismus funktioniert nicht mehr – wegen des Euros statt der DM. Deutschland ist im Euro-System gefangen; es gibt kaum adäquate Mittel, um Exporte zu erschweren.

Wenn der Deal mit China sich also bestätigt, so bedeutet das nichts Gutes für die EU. Eigentlich wollte sie ihre bewährten Beziehungen zu den USA spielen lassen, um ein Bündnis gegen China zu schmieden. Aber es rächt sich jetzt, dass unmittelbar nach seiner Wahl deutsche Spitzenpolitiker bis hin zum damaligen Außenminister Frank-Walter Steinmeier über Trump als „Haßprediger“ hergezogen haben – Beschimpfung schafft keine Freunde. Besser wäre es gewesen, gemeinsam mit den Chinesen eine Abwehrfront gegen Trumps Protektionismus aufzubauen.