Vor dem Apple Store auf Pekings Einkaufsmeile Wangfujing bildet sich eine lange Schlange. Dabei zählt die chinesische Hauptstadt fünf dieser Geschäfte mit dem angeknabberten Apfel als Logo. „Ich will zuschlagen, bevor das iPhone X noch teurer wird“, sagt Liu Ziwei. „Denn sollte der Streit zwischen China und den USA eskalieren, dürfte das Smartphone noch teurer werden.“ Ansonsten ist auf Pekings Straßen noch nicht viel vom Handelskrieg zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt zu spüren. Starbucks, Levi’s, Kentucky Fried Chicken und eben Apple – sie sind mit ihren Filialen überall präsent. Auch an Kundschaft mangelt es ihnen nicht. Doch das kann sich rasch ändern.

Zölle von 25 Prozent

Um das gigantische Handelsdefizit der USA gegenüber China zu senken, hat US-Präsident Donald Trump ab heute weitere 25-prozentige Strafzölle auf Importe aus China im Wert von 34 Milliarden US-Dollar verhängt. Es ist die dritte Runde. Gegen chinesische Waren im Volumen von rund 50 Milliarden Dollar hatte er schon Zölle erlassen.

China hat bereits mit Vergeltungszöllen reagiert, die vor allem landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Tabak und Soja betrafen. Nun kündigte Pekings Zollverwaltung weitere Gegenmaßnahmen in „ähnlicher Höhe“ an, die sofort nach den heute inkraft tretenden neuen US-Zöllen umgesetzt werden. Details wurden aber nicht bekannt.

Auch gegen US-Unternehmen

Stellt sich jedoch die Frage, wie China die USA mit Importzöllen bestrafen soll, wenn die Chinesen gar nicht so viel aus den USA einführen? Nichts sei leichter als das, sagt Xie Yanmei, Ökonomin des unabhängigen Pekinger Forschungsinstituts Gavekal Dragonomics. China sei ein „Veteran der Wirtschaftskriegsführung“. Das betreffe keineswegs nur US-Exporte nach China. Peking könnte auch in China tätigen US-Unternehmen das Leben schwer machen.

Auch Hollywood betroffen

Denn für viele US-Firmen ist China längst der wichtigste Markt. Neben Apple ist das auch bei Boeing, Microsoft, aber auch bei Kentucky Fried Chicken und Starbucks der Fall. Hollywood muss ebenfalls um einen wichtigen Absatzmarkt fürchten. Dabei hat die chinesische Führung erst vor einigen Jahren die Zulassungsbeschränkung für ausländische Filme gelockert. Einigen Branchen in China käme eine staatliche Kampagne gegen die US-Dominanz durchaus gelegen: US-Firmen haben 2017 Produkte und Dienste für 280 Milliarden Dollar in der Volksrepublik verkauft.

Währung als Waffe

Auch die Währung könnte China als Waffe einsetzen. Anders als etwa beim Euro wird der Kurs des Yuan von der politischen Führung kontrolliert. Um 4 Prozent hat sie ihn seit Mitte Juni bereits abgewertet – und damit die chinesischen Exporte günstiger gemacht.

Chinas schlagkräftigste Waffe dürfte aber nicht zum Einsatz kommen: seine vielen US-Staatsanleihen. Denn sollte Chinas Führung ihre Dollar-Reserven verkaufen, könnte das zum Preisverfall des Dollar und der US-Schuldpapieren führen. Die Chinesen würden sich also selbst schaden. Ein schwächerer Dollar wäre sogar von Vorteil für die Exportwirtschaft der USA. Das wird China den Amerikanern aber kaum gönnen.