Friedrichshafen – Der Automobilzulieferer ZF wird das neue Getriebe "Powerline" künftig am Stammsitz in Friedrichshafen produzieren und nicht wie zunächst geplant in Eger (Ungarn). Das geht aus einer internen Mitteilung des ZF-Betriebsrats hervor, die dem SÜDKURIER vorliegt. Der Betriebsrat begrüßte die Entscheidung des Managements. "Damit wird eingehalten, was vor zwei Jahren in der Standortsicherung vereinbart wurde", heißt es in dem Dokument. Damals hatten die Mitarbeiter auf einen Teil ihrer Lohnerhöhungen verzichtet und das Unternehmen im Gegenzug versichert, weiter in den Standort Friedrichshafen zu investieren.

Die Ankündigung, das Powerline-Getriebe am Bodensee statt im Ausland zu produzieren, dürfte bei der Belegschaft für ein Aufatmen sorgen. Denn der Wegfall der MAN-Aufträge, die künftig ihre Getriebe selber bauen wollen, wirkt sich in Friedrichshafen auf den Personalbedarf aus. Schließlich hängen am Auftrag des Münchener LKW-Herstellers hunderte Jobs. Die Produktion des Powerline-Getriebes sei "ein zukunftsfähiges Produkt, um damit die Beschäftigung zu sichern", heißt es in dem Betriebsrat-Rundschreiben. Das Powerline-Getriebe basiert auf dem im ZF-Werk Saarbrücken gefertigten Modell 8HP und ist für mittelschwere Nutzfahrzeuge geeignet. Zu der Frage, in welcher Stückzahl das Powerline-Getriebe produziert werden soll und wie viele Jobs dadurch in Friedrichshafen gesichert werden, wollten sich weder der Betriebsrat noch das Unternehmen äußern.

Auch für die 350 ZF-Mitarbeiter in Gelsenkirchen gibt es scheinbar steigende Chancen auf einen Joberhalt. Das Werk im Stadtteil Schalke sollte eigentlich geschlossen werden, doch nun steht der Konzern offenbar vor einer Kehrtwende. "Das Management hat sich zur sozialen Verantwortung bekannt, zu den Menschen in der Region, zur ZF-Familie", wird Ugur Coskun, Betriebsratsvorsitzender des Schalker ZF-Werks, in der Betriebsratsmitteilung zitiert. Durch die Rückverlagerung einer Lenkungs-Produktion ins Ruhrgebiet sei jetzt Zeit gewonnen, die genutzt werde, um eine nachhaltige Zukunftsperspektive zu entwickeln. Wie das Unternehmen auf Nachfrage betonte, sei eine endgültige Entscheidung zum Standort Schalke aber noch nicht gefallen. Man verhandele derzeit über eine Zukunftsperspektive für das Werk und sei guter Dinge, eine konstruktive Lösung zu finden, teilte ein ZF-Sprecher mit. Das Schalker ZF-Werk gehörte ursprünglich zu TRW und ging im Zuge der TRW-Übernahme an ZF.

Unterdessen startete der Betriebsrat einen Vorstoß bei der Erfolgsbeteiligung seiner Mitarbeiter. Bislang wurden 11 Prozent des operativen Gewinns an die in Deutschland Beschäftigten ausgezahlt. Der Betriebsrat möchte diese Erfolgsbeteiligung künftig flexibler gestalten. So sollen die Mitarbeiter in guten Jahren stärker am Gewinn beteiligt werden als in schlechten.