Entlang der deutsch-schweizer Grenze werden täglich bis zu 210 Zöllner für das Abstempeln grüner Mehrwertsteuerbescheinigungen von Schweizer Einkaufstouristen eingesetzt. Das geht aus einer Umfrage hervor, die der SÜDKURIER bei den Hauptzollämtern entlang der deutsch-schweizer Grenze durchgeführt hat. Ein Sprecher der Generalzolldirektion in Bonn nannte den Personalaufwand "erheblich".

Um die Flut an Ausfuhrkassenzetteln (AKZ) verarbeiten zu können, seien die Zollstandorte in Singen und Lörrach um insgesamt 49 Mitarbeiter verstärkt worden, sagte der Sprecher. Zollbeamte sind verpflichtet, die bei ihnen eingereichten AKZ abzustempeln. Mit ihnen können sich Einkaufstouristen aus der Schweiz die Mehrwertsteuer auf ihre Einkäufe in Deutschland zurückholen.

Die jetzt bekannt gewordenen Zahlen übertreffen ältere Werte noch einmal deutlich. In einem Anfang Mai veröffentlichen Prüfbericht des Bundesrechnungshofs ist noch von "etwa 100 Zöllnerinnen und Zöllnern" die Rede, die mit dieser Aufgabe an der Schweizer Grenze betraut seien. Die dafür für das Jahr 2015 angefallenen Personalausgaben bezifferte der Rechnungshof damals auf 6,2 Millionen Euro.

Auf deutscher Seite entwickelt sich das massenhafte Abstempeln der grünen Ausfuhrkassenzettel mehr und mehr zum Ärgernis, verursacht es doch regelmäßig lange Staus vor den Grenzübergängen. Weil durch das zeitfressende Abstempeln der grünen Zettel an den Grenzen Personal für Kontrollen fehlt, warnte der Rechnungshof zudem vor Steuerausfällen in Millionenhöhe durch Missbrauch der gültigen Ausfuhrregeln.

Brennpunkt des Problems ist das Hauptzollamt Singen. Allein hier wurden 2016 nach Angaben eines Sprechers von etwa 100 Mitarbeitern 11,23 Millionen grüne Zettel abgestempelt.