Eines kann man zum Weltspartag am 30. Oktober sicher sagen: Auch nach dem Abgang von EZB-Präsident Mario Draghi werden die Zinsen niedrig bleiben. Denn seine Nachfolgerin Christine Lagarde will die Niedrigzinspolitik fortsetzen. Für Sparer und Anleger ist deshalb eine Frage drängender denn je: Wie kann ich mir bei den anhaltenden Minizinsen am besten ein Vermögen zusammensparen? Die Experten des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) Johannes Noll und Matthias Schweitzer haben die zahlreichen Fragen unser Leser bei einer Telefonaktion beantwortet. Wir haben für Sie ihre Antworten zusammengefasst.

Ich überlege, eine Immobilie als Anlageobjekt zu kaufen. Aber die hohen Immobilienpreise schrecken mich ab. Wie werden sich die Preise weiterentwickeln? Lohnt es sich, auf niedrigere Preise zu warten?

Wir gehen nicht davon aus, dass in absehbarer Zeit die Immobilienpreise in den Ballungszentren erheblich fallen werden. Die Nachfrage nach Wohnraum wird vor allem in der Bodenseeregion hoch bleiben. Denn der Bodensee ist wunderschön und viele Menschen möchten hier wohnen. Ob die Immobilienpreise eines Tages wieder fallen, hängt nicht zuletzt auch davon ab, wie sich die Konjunktur und die Zinsen entwickeln werden.

Sollten wir jetzt, wegen der niedrigen Zinsen bei der Baufinanzierung, schnell ein Haus kaufen?

Das hängt von Ihrer finanziellen Situation und einem geeigneten Objekt ab. Überstürzen Sie nichts! Auch bei niedrigen Zinsen müssen Sie genau rechnen und die Finanzierung planen. Schließlich binden Sie sich auf lange Zeit.

0,001 Prozent: So viel Zinsen bekommt man derzeit für ein herkömmliches Sparbuch pro Jahr. Bei solchen Zinssätzen muss man die Rendite fast schon mit der Lupe suchen. Trotzdem setzen nach wie vor viele Deutsche auf diese klassische Anlageform.
0,001 Prozent: So viel Zinsen bekommt man derzeit für ein herkömmliches Sparbuch pro Jahr. Bei solchen Zinssätzen muss man die Rendite fast schon mit der Lupe suchen. Trotzdem setzen nach wie vor viele Deutsche auf diese klassische Anlageform. | Bild: DANIEL KARMANN

Welche Zinsbindung ist aktuell für einen Immobilienkredit ratsam?

In Anbetracht des niedrigen Zinsniveaus sollten Sie eine langfristige Zinsbindung von mindestens zehn Jahren, besser noch 15 oder 20 Jahren wählen. Bei zehn Jahren Zinsbindung ist der Zins zwar niedriger, aber dafür erhalten Sie bei längerer Zinsbindung auch mehr Planungssicherheit und sind vor Zinsänderungen länger geschützt.

Wie viel Kredit kann ich mir zur Finanzierung einer Wohnung leisten und wie viel Eigenkapital brauche ich?

In der Regel sollten Sie mindestens 10 Prozent Eigenkapital, besser 20 Prozent, vom Kaufpreis mitbringen. Mindestens die Nebenkosten für Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuchamt und möglicherweise Maklergebühr sollten durch Eigenkapital abgedeckt sein. Wichtig: Je mehr Eigenkapital Sie einbringen, desto günstiger sind die Zinskonditionen. Lassen Sie sich von Ihrer Bank beraten. Die kann mit Ihnen ermitteln, wie viel Kredit möglich und sinnvoll ist, unter Beachtung Ihrer Einkommens- und Vermögenssituation.

1500 Dollar: So viel kostet eine Unze Gold derzeit. Das ist ein Plus von 22 Prozent im Vergleich zum letzten Jahr. Deshalb spielen immer mehr Anleger mit dem Gedanken, auf das Edelmetall zu setzen. Allerdings erbringt Gold keine Zinsen oder andere Dividenden.
1500 Dollar: So viel kostet eine Unze Gold derzeit. Das ist ein Plus von 22 Prozent im Vergleich zum letzten Jahr. Deshalb spielen immer mehr Anleger mit dem Gedanken, auf das Edelmetall zu setzen. Allerdings erbringt Gold keine Zinsen oder andere Dividenden. | Bild: Sven Hoppe

Wie hoch sollte die Tilgung bei einem Immobilienkredit sein?

So hoch wie es Ihre finanziellen Mittel zulassen, drei Prozent sollten es aber schon sein. Je höher die Tilgungsrate, desto schneller ist der Kredit zurückgezahlt und Sie sparen sich erhebliche Zinskosten. Wünschenswert wäre es, wenn Sie das Darlehen bis zum Beginn der Rente getilgt hätten, da meist im Ruhestand die Einnahmen niedriger sind als im Berufsleben.

Kann ich aus einem Darlehen-Vertrag vorzeitig aussteigen?

Grundsätzlich gilt: Vertrag ist Vertrag und daran sollten sich beide Seiten halten. Aber gemäß BGB §489 haben Sie als Darlehensnehmer zehn Jahre nach Vollauszahlung des Darlehens ein Sonderkündigungsrecht. Trifft das bei Ihnen zu, könnten Sie mit einer sechsmonatigen Kündigungsfrist ohne Vorfälligkeitsentschädigung aus dem Vertrag aussteigen.

1,2 Prozent: So hoch ist derzeit die Inflation in Deutschland. Wer sein Geld (fast) unverzinst auf dem Sparbuch liegen lässt, verliert Jahr für Jahr diesen Betrag. Kritiker sprechen wegen der sinkenden Kaufkraft von einer Enteignung der Sparer.
1,2 Prozent: So hoch ist derzeit die Inflation in Deutschland. Wer sein Geld (fast) unverzinst auf dem Sparbuch liegen lässt, verliert Jahr für Jahr diesen Betrag. Kritiker sprechen wegen der sinkenden Kaufkraft von einer Enteignung der Sparer. | Bild: Andreas Arnold

Ich überlege, Gold zu kaufen. Wie wird sich der Goldpreis weiter entwickeln?

Das kann niemand verlässlich vorhersehen. Der Goldpreis ist nicht wertstabil, sondern starken Schwankungen ausgesetzt. Gold bringt auch keine Zinsen oder regelmäßige Erträge. Einen Gewinn haben Sie nur, wenn der Goldpreis steigt. In Krisenzeiten kann Gold als Substanzschutz dienen. Von daher wird Gold in der Regel auch als Beimischung von fünf bis zehn Prozent zum Gesamtvermögen empfohlen. Denken Sie an eine sichere Aufbewahrung.

Derzeit gibt es keine Zinsen fürs Sparbuch – wo gibt es noch sichere Rendite?

Ohne Wertschwankung gibt es derzeit keine nennenswerte Rendite. Und je höher die Rendite, desto größer ist das Risiko. Grundsätzlich ist eine breite Streuung zu empfehlen, also nicht einseitig eine Anlageform zu bevorzugen. Je länger Sie anlegen und je breiter Sie Ihr Geld streuen, desto eher gleichen Sie Schwankungen bei der Wertentwicklung aus.

Ich will in Aktien investieren, weil ich Rendite haben möchte. Aber ich habe Bedenken, weil die Kurse schwanken. Und ich nicht weiß, wann ich am besten einsteigen soll. Was soll ich tun?

Wenn Sie eine Anlage mit guten Ertragschancen suchen, kommen Sie an Aktien nicht vorbei. Ihre Sorge, zum falschen Zeitpunkt einzusteigen, lässt sich mit einem Fondssparplan lösen. Sie investieren regelmäßig monatlich in Aktienfonds und profitieren damit vom Kostendurchschnittseffekt: Sie kaufen bei niedrigen Kursen mehr Fondsanteile und bei hohen Kursen weniger Fondsanteile. Alternativ können Sie einen Einzelbetrag aufteilen und über mehrere Monate schrittweise anlegen.

Ich bin 75 Jahre alt und habe 90 000 Euro zum Anlegen übrig. Wo bekomme ich mehr für mein Geld als auf dem Sparkonto?

Bei dem aktuellen Zinsniveau ist das mit sicheren Zinsanlagen nicht zu schaffen. Investmentfonds können eine Alternative sein. Mit vergleichsweise geringen Risiken könnten Sie etwa mit offenen Immobilienfonds oder konservativen Mischfonds ihr Geld vor Inflation schützen und langfristig vermehren. Sie müssten zwar geringe Kursschwankungen aushalten, aber um Rendite zu erzielen, wird man auf absehbare Zeit nicht an etwas Risiko vorbeikommen. Denken Sie daran, eine angemessene finanzielle Reserve auf einem frei verfügbaren Konto zu belassen.

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Ich möchte 40 000 Euro in Aktien anlegen – soll ich besser Einzelaktien oder Aktienfonds kaufen?

Das hängt auch von Ihrer Mentalität ab und wie gut Sie sich auskennen. Eine Aktienanlage sollte langfristig orientiert sein und eine breite Streuung ist wichtig. Bei Einzelaktien müssen Sie sich selber um die Auswahl kümmern. Bei einem Aktienfonds übernimmt das Fondsmanagement die Auswahl. Wenn Sie in Einzeltitel investieren wollen, sollte ein höherer Anlagebetrag zur Verfügung stehen, um eine angemessene Streuung zu erreichen.

Sind börsengehandelte Fonds oder gemanagte Fonds besser?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. ETFs (Exchange Traded Funds) sind börsengehandelte Fonds, die zum Beispiel einen Aktienindex wie den Dax abbilden. Vorteilhaft ist die günstige Kostenstruktur. Er macht aber alle Index-Schwankungen mit. Gemanagte Fonds können flexibler auf sich ändernde Kapitalmärkte reagieren und verschiedene Segmente und Regionen berücksichtigen. Dafür sind die Kosten höher als bei ETFs.