Der Verdacht, dass sich die Mitglieder der geschäftsführenden Bundesregierung nun gegenseitig über den Tisch ziehen, wiegt schwer. Die erneute Zulassung des Unkrautvernichters Glyphosat wäre nicht zustande gekommen, wenn sich alle amtierenden Minister der Regierung Merkel an den nach wie vor geltenden Koalitionsvertrag gehalten hätten. Doch wenn man der Darstellung von Umweltministerium Barbara Hendricks folgt, gab das Landwirtschaftsministerium entgegen aller Absprachen grünes Licht für das Pflanzenschutzmittel. Der Eklat war perfekt. Zur Verärgerung über die verlängerte Zulassung für ein höchst umstrittenes Mittel kommt jetzt noch die Wut über das Regierungschaos in Berlin.

Wenn der Bundeskanzlerin tatsächlich die Regie über ihre Mannschaft aus den Händen entgleitet, steht Deutschland auf der europäischen Bühne als im höchsten Maße blamiert da. Der Streit um das Herbizid mag zuletzt in einer nicht mehr rationalen Weise emotionalisiert worden sein. Doch das rechtfertigt es auf keinen Fall, dass sich in der Schlussphase dieser geschäftsführenden Bundesregierung die Minister gegenseitig hintergehen. Für die Überlegungen von Union und SPD über eine Neuauflage der Großen Koalition war diese Glyphosat-Abstimmung der denkbar schlechteste Auftakt.