Tuttlingen – Nach einem SÜDKURIER-Bericht über die Auslagerung der Logistik-Sparte bei Karl Storz melden sich Arbeitnehmervertreter aus der Region zu Wort. Ihre Kernforderung ist die Einrichtung eines Betriebsrats bei dem Tuttlinger Medizintechnik-Konzern. "In jeder Schulklasse gibt es einen Klassensprecher. Jede Fußballmannschaft hat einen Mannschaftssprecher. Nur in vielen Betrieben ist es noch nicht selbstverständlich, dass es eine Arbeitnehmervertretung, sprich einen Betriebsrat gibt", schreiben Adolf Weber (Sprecher Betriebsräte Heuberg), Thomas Maile (Katholische Betriebsseelsorge Tuttlingen) und Hans-Peter Menger (DGB Südbaden Geschäftsstelle Tuttlingen) in einer gemeinsamen Stellungnahme, die dem SÜDKURIER vorliegt.

Gute und gut informierte Arbeitnehmervertreter mit gewerkschaftlichem Rückhalt seien eine Notwendigkeit und eine Bereicherung für jeden Betrieb. "Betriebliche Mitbestimmung bedeutet eben nicht nur ein Teilen von Macht, sondern auch von Verantwortung", schreiben sie. Auch bei Storz hätte ein Betriebsrat helfen können, die Auslagerung von 19 Mitarbeitern sozialverträglich zu gestalten. "Nur mit einem Betriebsrat kann bei drohenden Entlassungen ein Interessenausgleich und Sozialplan ausgehandelt werden. Ohne Betriebsrat haben die Beschäftigen keinen Anspruch darauf", heißt es in der Stellungnahme.

Es gab schon länger Zoff

Das Familienunternehmen Storz, das in Tuttlingen knapp 2000 und weltweit rund 7500 Menschen beschäftigt, hat einen Teil seines Logistik-Geschäfts an einen externen Dienstleister ausgelagert. Dem vorausgegangen waren Auseinandersetzungen mit Mitarbeitern über Gehälter beziehungsweise Lenkzeiten und Überstundenregelungen. Die Ausgliederung wurde bereits Ende März beschlossen und von Firmenchefin Sybill Storz und ihrem Sohn Karl-Christian abgesegnet. Vom Unternehmen hieß es, man wolle sich zukünftig auf das angestammte Kerngeschäft der Medizintechnik konzentrieren. Gleichzeitig solle sichergestellt werden, dass die "diversen Transportaufgaben durch einen spezialisierten Dienstleister zuverlässig ausgeführt" werden.

Seit Monaten befand sich die Leitung des hauseigenen Logistikzentrums in Neuhausen ob Eck nahe Tuttlingen in einer Auseinandersetzung mit Teilen ihrer Fahrer. Das Unternehmen dementiert einen Zusammenhang dieser Ereignisse mit der jetzt erfolgten Ausgliederung. Gleiches gilt für einen möglichen Zusammenhang mit Vorstößen einzelner Storz-Fahrer zur Gründung eines Betriebsrats, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern.