Die Nachricht von der Einstellung des Flugbetriebes der Fluglinie Germania schlug nicht nur am Flughafen in Friedrichshafen hohe Wellen. Auch an den Standorten Stuttgart, Berlin, Düsseldorf, Münster, Bremen, Dresden, Nürnberg und Rostock wurden alle Flüge ersatzlos gestrichen.

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Zuvor hatte die Airline mit Sitz in Berlin Insolvenz angemeldet und später eine entsprechende Pressemitteilung verschickt. Germania-Geschäftsführer Karsten Balke schreibt darin, dass es nicht gelungen sei, Finanzierungsbemühungen zur Deckung eines kurzzeitigen Liquiditätsbedarfs erfolgreich zum Abschluss zu bringen.

Germania-Geschäftsführer äußert Bedauern

„Wir bedauern sehr, dass uns als Konsequenz daraus keine andere Möglichkeit als die der Insolvenzantragstellung blieb“, erklärte Balke laut Mitteilung. Er bedauerte die Auswirkungen des Schrittes für die Mitarbeiter, die ihr Bestes für einen zuverlässigen Flugbetrieb gegeben hätten. Die betroffenen Fluggäste bat Balke um Entschuldigung.

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Die finanziellen Schwierigkeiten bei Germania waren Anfang Januar bekannt geworden. Der Flugbetrieb ging jedoch zunächst planmäßig weiter. Zwischenzeitlich hatte das Unternehmen von erfolgreichen Finanzierungsverhandlungen gesprochen.

"Das ist für uns natürlich ein weiterer Schicksalsschlag"

Ende Januar wurde bekannt, dass es bei der Auszahlung der Gehälter an die Mitarbeiter Verzögerungen gibt. Die Airline begründete den finanziellen Engpass mit massiven Steigerungen der Kerosinpreise und mit einer "außergewöhnlich hohen Anzahl technischer Serviceleistungen an der Flotte".

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Claus-Dieter Wehr, Geschäftsführer des Flughafens Friedrichshafen, erreichte die schlechte Nachricht um kurz vor sechs Uhr per Whatsapp. "Das ist für uns natürlich ein weiterer Schicksalsschlag", sagte er gegenüber dem SÜDKURIER. Denn Germania war eine der wichtigsten Fluggesellschaften am Bodensee-Airport. 32 Prozent aller Fluggäste im Gesamtjahr 2018 entfielen nach Angaben des Geschäftsführers auf die Germania. Fünf wöchentliche Abflüge standen im Winterflugplan des Bodensee-Airports, das Sommerflugplan-Angebot ab Friedrichshafen war erst vor wenigen Wochen um Sardinien und Ibiza erweitert worden.

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Flughafenchef Claus-Dieter Wehr ist sich trotz der Germania-Pleite aber sicher, dass es in Friedrichshafen sowohl einen soliden Markt als auch die Kunden für Ferienflüge in den Mittelmeerraum gibt. "Die von hier aus angebotenen Routen konnten wirtschaftlich sehr erfolgreich betrieben werden. Wir sind deshalb zuversichtlich, dass ein passendes Flugangebot auch in Zukunft alle Chancen hat", so Wehr.

Germania stärkte den Flughafen Friedrichshafen

Es ist die sechste Insolvenz, die der Flughafen Friedrichshafen mittlerweile zu verkraften hat. Nach den Pleiten von Intersky, VLM, Monarch Airlines, Air Berlin und Hamburg Airways war es eben erst gelungen, mit Sun Air eine neue Fluglinie für die innerdeutschen Verbindungen nach Hamburg und Düsseldorf zu gewinnen. Der finanziell angeschlagene Flughafen war gerade dabei, sich wirtschaftlich wieder zu berappeln, dazu trug Germania entscheidend bei. Erst im letzten Jahr hatte die Fluggesellschaft ihr touristisches Angebot ab Friedrichshafen um mehr als 15 Prozent aufgestockt, insgesamt wurden im vergangenen Jahr 540 000 Passagiere gezählt, ein Anstieg um 5 Prozent im Vergleich zu 2017.

"Wir werden die Flinte nicht ins Korn werfen"

Schon seit Jahren schreibt der Bodensee-Airport rote Zahlen. Im Jahr 2017 belief sich der Verlust auf 1,7 Millionen Euro, 2016 waren es bereits 1,5 Millionen Euro. Hauptgrund für die schlechte wirtschaftliche Lage ist die Zinslast der Schulden in Höhe von rund 20 Millionen Euro, zudem sind bis zum Jahr 2022 dringende Investitionen in Höhe von 13,2 Millionen Euro nötig. "Wir werden die Flinte nicht ins Korn werfen", sagte Flughafen-Chef Wehr. Das Management des Bodensee-Airports arbeite mit Hochdruck am Aufbau von alternativen Flugangeboten, um die jetzt entstandene Lücke im Flugangebot möglichst umgehend zu schließen.