Der Fachkräftemangel bremst das Wachstum von Geberit in Deutschland. Trotzdem erreichte der Sanitärkonzern im Vorjahr unter dem Strich ein Umsatzwachstum von 3,5 Prozent.

Zürich/Pfullendorf – Der Schweizer Sanitärkonzern Geberit, der in Pfullendorf über 1500 Mitarbeiter beschäftigt, bleibt auf Kurs. Das Unternehmen steigerte 2017 seinen Umsatz um 3,5 Prozent auf 2,9 Milliarden Schweizer Franken (2,5 Milliarden Euro). Der Gewinn (Ebit) ging dagegen um 2,9 Prozent auf 622 Millionen Schweizer Franken (523 Millionen Euro) zurück. Dieser Gewinnrückgang sei aber auf einen Einmaleffekte zurückzuführen. So schloss Geberit 2017 zwei Werke in Frankreich, was hohe Kosten für Sozialpläne und Aufräumarbeiten verursachte. Die beiden Werke zählten zum finnischen Unternehmen Sanitec, das Geberit 2015 übernommen hatte.

Das vergangene Geschäftsjahr war von hohen Investitionen geprägt. So steckte Geberit 40 Millionen Euro in die Fertigstellung des neuen Logistikzentrums in Pfullendorf. Zudem investiert das Unternehmen 15 Millionen Euro in die Kapazitätserweiterung der Fabrik in Pfullendorf. Auch die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (78 Millionen Franken) und Marketingaktivitäten (108 Millionen Franken) kletterten auf Rekordniveau. "Wir haben 2018 substanziell in die Produktion und die Logistik investiert", sagte Geberit-Chef Christian Buhl auf der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens in Zürich.

Ein besonders hohes Umsatzwachstum erreichte Geberit in den Regionen Nahost/Afrika (16,8 Prozent) und Fernost/Pazifik (13,3 Prozent). In Europa, wo das Unternehmen den Großteil seines Umsatzes erwirtschaftet, wuchs Geberit um 2,9 Prozent. In Deutschland war das Wachstum mit 0,7 Prozent vergleichsweise niedrig. Das geringe Wachstum in der Bundesrepublik begründete Geberit mit dem hohen Baurückstand hierzulande. Die Nachfrage nach Neubauten sei deutlich höher als die Kapazität. So gebe es in Deutschland einen Engpass an Sanitärinstallateuren. Der offene Auftragsbestand sei entsprechend hoch.

Auf Produktebene spülten vor allem Installationssysteme (871 Millionen Franken Umsatz), Badezimmer-Keramik (547 Millionen) und Versorgungssysteme (536 Millionen) Geld in die Kasse von Geberit.

Die Zahl der Mitarbeiter ist 2017 um ein Prozent auf über 11 700 Beschäftigte gestiegen. Über ein Viertel der Geberit-Mitarbeiter ist in Deutschland beschäftigt, knapp ein Viertel in Osteuropa. in beiden Regionen seien steigende Lohnkosten zu erwarten.

Für das laufende Jahre zeigte sich Geberit optimistisch. Eine konkrete Umsatzprognose wagte das Unternehmen aber nicht. "Ziel für die Geberit-Gruppe im Jahr 2018 ist es, über das gesamte Geschäft mit Sanitärprodukten und in allen Märkten überzeugende Leistungen zu erbringen und wie in den Vorjahren Marktanteile zu gewinnen", hieß es nur. Wachstumspotenzial sehe Geberit vor allem in Österreich, Frankreich und den Benelux-Ländern. Dagegen sei in Deutschland das Wachstumspotenzial wegen des Fachkräftemangels derzeit begrenzt.

Wie sich der Brexit auf Geberit auswirkt

  1. .Wie sehr trifftder Brexit und der US-amerikanische ProtektionismusGeberit? Geberit-Chef Christian Buhl bezeichnete die Auswirkungen auf Geberit als "limitiert". Der Umsatz in Großbritannien liege bei unter fünf Prozent, so dass ein Austritt des Landes aus der EU Geberit nicht nachhaltig treffen würde. Allerdings spüre man, dass auf der Insel Investitionen in der Bauindustrie aufgrund der derzeitigen Unsicherheit verschoben würden. Die protektionistischen Töne von US-Präsident Trump bereiten Geberit ebenfalls keine großen Sorgen, sagte Buhl. Denn da Geberit mehrere Produktionsstandorte in den USA habe, würden Importzölle das Unternehmen nicht treffen.
  2. .Wie läuft die Integration von Sanitec? Die Integration des 2015 erworbenen Sanitärkeramikproduzenten aus Finnland sei auf einem guten Weg, so Buhl. Im Geschäftsjahr 2017 seien die wichtigsten Meilensteine erreicht worden. Nun gehe es um eine Optimierung und Harmonisierung der gemeinsamen Prozesse und der IT-Systeme. Auch die Entwicklung kombinierter Produkte stehe 2018 auf der Agenda. Die gesamten Integrationskosten bezifferte Geberit auf 45 Millionen Schweizer Franken.
  3. .Wie entwickelt sich die Geberit-Aktie? Die im wichtigsten Schweizer Aktienindex SMI notierte Geberit-Aktie machte gestern einen Sprung um knapp einen Prozentpunkt nach oben. Der positive Ausblick und die auf 10,40 Schweizer Franken erhöhte Dividende überzeugten die Börsianer.

Thomas Domjahn