Der angestrebte britische Austritt aus der Europäischen Union zwingt Banken und Finanzdienstleister zum Umsteuern. Etliche Auslandsbanken zieht es von der Themse an den Main, auch manches heimische Institut will in Frankfurt aufstocken. Ein Überblick:

Citigroup/ USA: Frankfurt ist für das US-Geldhaus Finanzkreisen zufolge erste Wahl als Hauptquartier für den Wertpapierhandel innerhalb der Europäischen Union. Die technischen Vorbereitungen laufen, das Personal am Standort Frankfurt könnte von derzeit 350 Mitarbeitern um 100 bis 150 Stellen aufgestockt werden.

Daiwa Securities/ Japan: Der Wertpapierhändler will in Frankfurt eine Tochtergesellschaft gründen. Das Unternehmen beschäftigte zuletzt etwa 450 Mitarbeiter in Europa, überwiegend in London.

Deutsche Bank/ Deutschland: Deutschlands größtes Geldhaus bucht ihre etwa 20 000 institutionellen Kunden im Wertpapierhandel, die bisher in London betreut wurden, nach Frankfurt um. Konzernchef John Cryan dämpfte aber Erwartungen, dass von den etwa 8600 Londoner Stellen ein Großteil an den Main verlagert wird. „Wir gehen davon aus, dass wir zunächst einige hundert neue Jobs in Frankfurt schaffen, und nicht nur dort“, sagte der Brite der „Neuen Zürcher Zeitung“. „Ein italienischer Mitarbeiter wechselt vielleicht lieber von London nach Mailand, um sich von dort aus um italienische Kunden zu kümmern.“

Goldman Sachs/ USA: Die Investmentbank hat sich Büroflächen im Frankfurter Bankenviertel gesichert, um für eine Ausweitung der Geschäftsaktivitäten in Deutschland gewappnet zu sein. Noch nicht entschieden ist einer Sprecherin zufolge, wie viele der 6000 Jobs aus London verlagert werden. Wahrscheinlichstes Szenario: Die Zahl der Mitarbeiter in Frankfurt von derzeit 200 wird verdoppelt.

Vorstandschef Lloyd Blankfein freut sich offenkundig auf mehr Zeit am Main: „Habe gerade Frankfurt verlassen. Großartige Meetings, großartiges Wetter, es hat mir wirklich gut gefallen. Das ist gut, weil ich dort viel mehr Zeit verbringen werde“, twitterte er im Oktober. Aber auch andere Standorte wie Paris und Mailand will Goldman stärken. Im November sagte Blankfein der französischen Zeitung „Le Figaro“, Goldman strebe für die Zeit nach dem Brexit zwei Hauptsitze in Europa an: Die Mitarbeiter dürften sich aussuchen, ob sie von London nach Frankfurt oder nach Paris gehen wollten.

JPMorgan/ USA: Aktuell beschäftigt die Bank 450 Mitarbeiter in Frankfurt, vorsorglich wurde eine Büroetage für weitere 200 Mitarbeiter angemietet. „Frankfurt ist schon heute ein wichtiger Finanzplatz und hat sehr viele Vorteile zu bieten: eine sehr gute Infrastruktur, eine hohe Lebensqualität und eine extrem gute Verkehrsanbindung an die Welt“, sagte Deutschland-Chefin Dorothee Blessing Anfang März der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Insgesamt könnte das Institut mehr als 4000 Jobs aus Großbritannien abziehen. Dies wäre bei einem „harten“ Brexit der Fall, sagte Bankchef Jamie Dimon im Januar beim Weltwirtschaftsforum in Davos.

Lloyds Banking Group/ UK: Gerechnet wird mit einer Aufstockung der Kapazitäten in Frankfurt, als seinen Hauptsitz innerhalb der EU hat das Haus jedoch Berlin auserkoren.

Mizuho Financial Group/ Japan: Die Tochter Mizuho Securities kündigte im vergangenen Juli an, eine Banklizenz in Deutschland zu beantragen, um ihre EU-Geschäfte an den Finanzplatz Frankfurt zu verlagern.

Morgan Stanley/ USA: Die Bank hat in Frankfurt weitere Büroräume angemietet, die Platz für 600 bis 700 Mitarbeiter bieten. Erwartet wird, dass das Institut die Zahl seiner Mitarbeiter in Frankfurt von derzeit 250 in den nächsten Jahren in etwa verdoppeln wird.

Nomura/ Japan: Die Investmentbank hat eine Banklizenz in Deutschland beantragt, um ihre EU-Geschäfte künftig von Frankfurt aus betreiben zu können. Nach letzten in Medienberichten genannten Zahlen hat Nomura 3000 Beschäftigte in Europa, die meisten davon in London.

Silicon Valley Bank/ USA: Das Institut, das etwa 100 Leute in London hat, hat nach Angaben des Auslandsbankenverbandes schon vor dem Brexit in Frankfurt angeklopft.

Standard Chartered Bank/ UK: Die britische Großbank hat in Frankfurt ohnehin schon ihre größte Präsenz in Europa nach der Zentrale in London, weil die Bank von Deutschland aus das Euro-Clearing betreibt. Der Antrag für eine Vollbanklizenz in Deutschland liegt bei der Bafin.

Geht alles nach Plan, soll die deutsche Tochtergesellschaft bis Ende 2018 fertig aufgestellt sein. Ein knappes Dutzend Mitarbeiter wurde nach Angaben von Deutschland-Chef Heinz Hilger bereits angeheuert. Verdoppeln werde sich die Mitarbeiterzahl am Standort Frankfurt mit bisher 100 Beschäftigten aber sicher nicht.

Sumitomo Misui/ Japan: Das Institut kündigte im Juli 2017 an, es wolle Tochtergesellschaften für Bank- und Wertpapier-Geschäfte in Frankfurt gründen. Damit solle sichergestellt werden, dass die Kunden auch nach dem Ausscheiden Großbritanniens aus der EU bedient werden können. Wie viele der etwa 1000 Londoner Mitarbeiter umziehen, ist offen.

UBS/ Schweiz: Die Europa-Einheit in Frankfurt soll mehr Aufgaben übernehmen. Mit genauen Zahlen zu Jobverlagerungen hält sich die Großbank bedeckt. Es zeichnet sich aber ab, dass statt der erwarteten 1000 nur etwa 200 der 5000 Londoner Jobs betroffen sein werden.

VTB/ Russland: Russlands zweitgrößtes Geldhaus will sein Europa-Geschäft in Deutschland zusammenführen. „Derzeit haben wir drei Lizenzen in Frankreich, Österreich und Deutschland. Wir würden das gerne in einer einzigen Europe SE bündeln“, sagte Bankchef Andrey Kostin vor einem Jahr dem „Handelsblatt“. „Frankfurt soll das Hauptquartier dieser Bank werden.“ Es gehe dabei um einige Hundert Jobs, die nach Frankfurt verlagert würden, nicht um Tausende.

Woori Bank/ Südkorea: Das Institut schmiedete bereits Ende 2016 Pläne für Frankfurt, allerdings sollte es Medienberichten zufolge gerade mal um etwa 15 Mitarbeiter gehen.