Eine der größten Gebäudereinigungsfirmen Süddeutschlands, Cowa mit Sitz in Gottmadingen, hat nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) eine Betriebsrätin über Tage von einer Privatdetektei überwachen lassen. Die Aktion habe ohne das Wissen der Frau stattgefunden, sagte Peter Fischer vom DGB Südbaden unserer Zeitung. Er sprach von einem „ungeheuerlichen Vorgang“. Brisanz erhält der Vorwurf unter anderem, weil der Präsident der Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee (IHK), Thomas Conrady, als Geschäftsführer von Cowa tätig ist. Inwieweit Conrady in die Vorgänge eingebunden war, blieb zunächst offen. Auf Anfrage wollte sich der IHK-Präsident zu dem Fall nicht äußern.

Mitarbeiterin soll Arbeitzeiten nicht eingehalten haben

In einer Mitteilung macht sein Unternehmen allerdings „massive Verletzungen arbeitsvertraglicher Pflichten“ der betreffenden Mitarbeiterin geltend. Daher beabsichtige Cowa, den Ausspruch einer „fristlosen Kündigung“, wie es in der Mitteilung heißt. Nach Informationen dieser Zeitung soll die Mitarbeiterin ihre vertraglich festgelegten Arbeitszeiten teilweise erheblich unterschritten haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Weil es sich bei der Frau um ein Mitglied des Cowa-Betriebsrats handelt, ist für eine fristlose Kündigung die Zustimmung des Gremiums nötig. Bleibt dieses – wie im jetzt strittigen Fall aus – muss sich ein Arbeitsgericht mit der Angelegenheit beschäftigen. Ein erster Termin ist für den heutigen Donnerstag vor dem Arbeitsgericht Radolfzell angesetzt. Die Cowa-Anwälte treffen dort auf die Beschäftigte, die vom DGB juristisch beraten wird.

Thomas Conrady beim diesjährigen Neujahrsempfang der Kammern in Konstanz: Conrady ist Unternehmer und IHK-Präsident an Hochrhein und Bodensee. Seine Firma für Gebäudedienstleistungen ist eine der größten in Süddeutschland. Jetzt gibt es mit einer Betriebsrätin Ärger. Bild: Scherrer
Thomas Conrady beim diesjährigen Neujahrsempfang der Kammern in Konstanz: Conrady ist Unternehmer und IHK-Präsident an Hochrhein und Bodensee. Seine Firma für Gebäudedienstleistungen ist eine der größten in Süddeutschland. Jetzt gibt es mit einer Betriebsrätin Ärger. Bild: Scherrer | Bild: Scherrer, Aurelia

Man werde es nicht zulassen, dass derartige Methoden Schule machen, hieß es vom DGB. Man fordere Herrn Conrady als Cowa-Geschäftsführer auf, „die Pläne zur Kündigung der Betriebsratskollegin zurückzunehmen“. Die Kollegin habe sich nichts zu Schulden kommen lassen. Von Cowa hieß es, die beabsichtigte Kündigung der Mitarbeiterin stehe in keinem Zusammenhang mit deren Tätigkeit als Betriebsrätin. Die Zusammenarbeit mit dem Gremium sei „traditionell konstruktiv, vertrauensvoll und sehr erfolgreich“.