Alternativ erzeugte Kraftstoffe gelten derzeit als möglicher Weg, das Ende des Verbrennungsmotors zu verhindern und gleichzeitig das Öl-Zeitalter zu beenden. Im schweizerischen Laufenburg am Hochrhein entsteht derzeit eine Anlage, die das Zeug dazu hat, die Technologie weiter voranzutreiben.

Die Anlage könnte den Dieselmotor retten

Aus Sicht des Betreibers – des Energieversorgers Energiedienst – könnte das Verfahren mithelfen, den Dieselmotor zu retten, der unter anderem wegen Abgasmanipulationen in Verruf geraten ist. Fahrverbote könnten überflüssig und der Todesstoß für die Dieseltechnologie pariert werden. Immerhin erzeugt das neue Öko-Kraftwerk sogenannten e-Diesel, also umweltverträglichen Treibstoff auf Grundlage erneuerbarer Energien.

Ziel sei es, eine neue Wertschöpfungskette bei der Erzeugung von umweltverträglicher Kraftstoffen zu schaffen, erläutert Sabine von Manteuffel, die in der Geschäftsleitung von Energiedienst für neue Geschäftsfelder zuständig ist. Partner des Projekts sind der bayrische Automobilhersteller Audi und das Karlsruher Unternehmen Ineratec, ein Spezialist für innovative chemische Reaktortechnologie.

Klimaneutrale Kohlenwasserstoffe: So funktioniert das Verfahren

Vereinfacht dargestellt funktioniert das Verfahren so: Durch Elektrolyse wird aus Wasserkraft-Strom reiner Wasserstoff hergestellt. Dieser wird dann mit Kohlendioxid, das etwa in Biogasanlagen als Abfallstoff entsteht, zu Kohlenwasserstoffen umgearbeitet, die beispielsweise auch der Ausgangsstoff herkömmlicher Sprit-Produktion in Raffinieren sind.

Der Unterschied ist hier, dass die Kohlenwasserstoffe quasi klimaneutral erzeugt wurden. Der aus ihnen gewonnene E-Diesel ist dies also auch. Gesundheitsgefährdende Stickoxide (NOx), die bei der Verbrennung normalen Diesels entstehen, sind im synthetischen Sprit deutlich reduziert. Schwefel, ein weiteres Problem des normalen Diesel, entsteht gar nicht erst, und auch die Feinstaubemissionen sind deutlich geringer. Weil der neue Diesel erheblich sauberer ist, bringe er im Verbrennungsmotor obendrein noch bessere Leistung, heiß es bei Energiedienst. "Wir veredeln überschüssigen Strom und speichern diesen sinnvoll in synthetischem Diesel", sagt von Sabine von Manteuffel.

Derzeit verhandelt Energiedienst mit den schweizerischen Behörden über die Baugenehmigung für die Anlage und rechnet mit einer Investitionssumme von 3,5 Millionen Euro. Die Fertigstellung ist für Mitte 2019 geplant. Dabei geht es nicht um einen großen industriellen Komplex ähnlich einer Raffinerie, sondern um ein Mini-Kraftwerk in der Größe von drei Containern, wie Lastwagen, Güterzüge oder Schiffe sie transportieren. Angestrebte Jahresproduktion: 400 000 Liter synthetischer Diesel.

Neuer Anfang der Diesel-Zukunft?

Dazu kommen rund 200.000 Liter Wachse und Parafine, die quasi als Abfallprodukt anfallen, gleichzeitig aber ein wichtiger Grundstoff für die chemische Industrie sind. Außerdem wird Fernwärme erzeugt, die beispielsweise Fabrikhallen oder Häuser heizen kann. Die geplante Pilotanlage könnte den Anfang der Diesel-Zukunft markieren, meinen die Verantwortlichen bei Energiedienst.

Immerhin erkennen immer mehr Firmen wie Autobauer oder Energieerzeuger in sogenannten Power-to-X Verfahren, zu denen auch das Laufenburger Projekt gehört, die Lösung für den Traum einer emissionsfreien Mobilität. Zunächst geht es den Badenern allerdings darum, den synthetischen Diesel mit herkömmlichem Dieselkraftstoff zu mischen, um ihn für die breite Masse bestehender Selbstzünder auf Deutschlands Straßen verträglich zu machen.

Angestrebt ist es, den Anteil des synthetischen Öko-Sprits im Tank nach und nach zu erhöhen. Irgendwann könnten dann Motoren stehen, die komplett synthetischen Diesel verbrennen und damit ganz klimaneutral sind. Je schneller sich synthetischer Diesel am Markt durchsetzt, je schneller Motoren entwickelt sind, die diesen Treibstoff unvermischt vertragen, desto schneller ist er auch an Tankstellen erhältlich, lautet das Credo.

Um den positiven Umweltfaktor zu erläutern, zieht Sabine von Manteuffel dieses Bild heran. Im deutschen Strommix bildet Öko-Strom neben Atom- und Kohlestrom nur ein Segment, das allerdings stetig wächst. So müsse man sich das das auch beim e-Diesel vorstellen. Sein Anteil werde in Zukunft immer mehr zunehmen.

Weitere Anlage entsteht in Wyhlen

Energiedienst rechnet damit, dass die bisher exklusive Technologie weitere Produzenten findet und so der Anteil des sauberen Diesel ständig steigt. Ineratec hat das Verfahren für den Synthese-Prozess entwickelt und kann laut von Manteuffel für sich „eine gewisse Exklusivität“ reklamieren, besitzt aber kein Patent, das Ausschließlichkeit garantiert.

Energiedienst errichtet zudem eine Anlage für die Umwandlung von Strom in reinen Wasserstoff. Sie entsteht am Standort Wyhlen auf der deutschen Hochrheinseite. Anlage diesen Typs gibt es schon mehrere bundesweit.

Zauberwort Power-to-X

Power-to-X bezeichnet Verfahren, bei denen mit Elektrolyse aus Ökostrom, der im Zuge der Energiewende reichlich vorhanden ist, und aus CO2 energiereiche Gase wie Wasserstoff oder Methan oder sogar Kraftstoffe wie Diesel oder Benzin gewonnen werden können. Das hat Charme, denn immerhin sind die Endprodukte klimaneutral und lassen sich gut speichern – in Tanks oder im deutschen Gasnetz. Bislang scheitern viele der Ansätze aber an mangelnder Rentabilität, was unter anderem mit zu hohen Abgaben auf den eingesetzten Strom zu tun hat. (wro)