Jetzt ist es also soweit. Nach Wochen der Ungewissheit verhängen die USA Zölle auf Stahlimporte aus der EU und anderer Staaten. Diese schlagen mit gleichen Mitteln zurück. Nach gut 70 Jahren, in denen sich zwei der wichtigsten Handelsblöcke der Welt mehr oder weniger einvernehmlich in Richtung Freihandel bewegt haben, kommt nun die Kehrtwende. Konfrontation, nicht Kooperation lautet die Devise.

Die Kettenreaktion ist vorprogrammiert

Fatal ist das aus mehreren Gründen. Die Welt von heute ist nicht mit jener vor 70 Jahren vergleichbar, als sich die wichtigsten Industriestaaten im Gatt-Abkommen verpflichteten, Zölle abzubauen und alle Erleichterungen, die sie einem Mitgliedsland zukommen ließen, auch allen anderen zu gewähren. Die Welt heute ist viel komplexer. Die Wertschöpfungsketten, die in einem Turnschuh oder einem Automobil stecken, verlaufen nicht mehr nur zwischen zwei oder drei Nationen, sondern quer über den Globus.

Ein Rütteln am System zeitigt daher in Windeseile Kollateralschäden anderswo. Kettenreaktionen sind daher fast unvermeidbar. Schon fürchten China und Japan in den US-europäischen Zollstreit hineingezogen zu werden. Und Mexiko, die neue Werkbank der Welt, kündigt Gegenmaßnahmen an.

Trump, der Schwache

Klar ist, dass die Lage brandgefährlich ist. Speziell für Deutschland, das wie kein anderes Land in den Welthandel eingebunden ist. Aber auch Amerika hat viel zu verlieren und agiert nicht aus einer Position der Stärke. Vielmehr folgt der US-Präsident dem Jahrhunderte alten Muster, wonach Staaten genau dann auf Protektionismus setzen, wenn sie sich unterlegen fühlen. Anders ausgedrückt fürchtet Trump die technologische Konkurrenz aus Asien und Europa. Sein Satz, wonach er den Handelsstreit so lange eskalieren werde, bis auf New Yorks Straßen keine Mercedes-Autos mehr rollen, ist Ausdruck dieser irrationalen Furcht. Diese allerdings, war noch nie ein guter Ratgeber.

Neue Partner

Deutschland wird nicht umhin kommen, sich verstärkt andere Partner zu suchen. Einfach wird dies nicht. Politisch gesehen sind viele Zukunftsmärkte vermintes Gebiet. Das gilt für Russland ebenso wie für China. Die Handelsnation Deutschland steht vor einer ihrer größten Herausforderungen der letzten Jahre.