Die Energiebranche in Baden-Württemberg macht sich zusehends Gedanken, wie sie ihre Kunden in Zukunft noch halten kann. "Verbraucher sind äußerst wechselwillig und hatten noch nie so viele Möglichkeiten, um die Preise für Heizöl zu vergleichen", sagt Michael Draxler vom jungen Münchner Start-Up LIV-T auf einer Veranstaltung des Verbands für Energiehandel Südwest-Mitte (VEH) in Überlingen. Deswegen stelle sich die Frage, wie das Geschäftsmodell traditioneller Energiehändler angepasst werden könne.

Insbesondere komme es darauf an, die Qualität und den Service des Angebots zu erhöhen und so dem Kunden einen Mehrwert zu verschaffen. "Höchstes Ziel ist die Kundenbindung", sagte Draxler.

Im eigenen Unternehmen, dem Technologie-Start-Up LIV-T, hat er einen entsprechenden Ansatz auch schon umgesetzt, der auf neuen Digitalisierungstechniken beruht. Mit einem mit dem Internet gekoppelten Ölstandsmesser, der direkt auf den Öltank im Keller aufgesetzt wird, lässt sich der Ölverbrauch vom Kunden am eigenen Computer bequem und schnell kontrollieren. Außerdem ziehe das Gerät aus dem Ölverbrauch Rückschlüsse auf die Funktionstüchtigkeit der Heizung, sagte Draxler. Um die Bedürfnisse der Kunden besser zu verstehen, sie zufriedenzustellen und sich gegen die zunehmende Konkurrenz durchzusetzen, sei der Einsatz derartiger Systeme unerlässlich, mahnte der Fachmann die aus mehreren Bundesländern angereisten Energiehändler.

Der Verbandtag des VEH, der seine Mitglieder vor allem aus den Reihen des Brennstoffhandels rekrutiert, waren die Herausforderungen, die durch den zunehmenden Einsatz von Digitalisierungtechnik entstehen, das große Thema. Wie genau sich dieser Prozess gestaltet, ist allerdings noch nicht ganz klar. "Digitalisierung lässt sich wie ein Phänomen beschreiben, dass keiner betreibt, das aber eine tiefgreifende gesellschaftliche Veränderung bringt", sagte der Technologieexperte Guido Baltes von der Hochschule Konstanz (HTWG). Niemand könne sagen, wann der Digitalisierungsprozess voll zum Tragen komme.

Die Arbeitsprozesse sollen durch Digitalisierung optimiert werden. Langfristig könne kein Unternehmen ohne Digitalisierung erfolgreich bleiben.