Um die Energieversorgung stabil zu halten, braucht Deutschland nach Ansicht des Chefs von Deutschlands drittgrößtem Energieversorger EnBW, Frank Mastiaux, weitreichende Anstrengungen auf dem Gebiet der Stromnetze sowie beim Neubau von fossilen Kraftwerken und Ökoenergieanlagen. Insbesondere der Bau von neuen Gaskraftwerken, die Deutschlands Versorgung mit Strom in wind- und sonnenarmen Zeiten sicherstellen können, falle in der derzeitigen öffentlichen Diskussion noch hinter anderen Themen zurück, sagte Mastiaux in Stuttgart.

Mehr Stromleitungen sind nötig

In den kommenden Jahren sei es notwendig "Gaskraftwerke in nicht unerheblichem Umfang neu zu errichten, um die im Angebot stark schwankenden Erneuerbaren Energien zu unterstützen", sagte der EnBW-Chef. Zudem müsse der Ausbau erneuerbarer Energien gemäß den von der Bundesregierung gesetzten Ziele erfolgen und der Bau der großen Stromtrassen durch Deutschland Fahrt aufnehmen, sagte er. Um eine rund um die Uhr sichere Versorgung mit Energie zu gewährleisten, müssten diese zentralen energiepolitischen Vorhaben jetzt "konsequent und mit hoher Disziplin durchgeführt werden", so Mastiaux.

Wann kommen neue Gaskraftwerke?

Anfang des Monats wurde bekannt, dass die federführenden deutschen Netzbetreiber den Bau zweier neuer Stromtrassen von Nord- nach Süddeutschland für nötig halten, um insbesondere die industriestarken Regionen in Hessen, Baden-Württemberg und Bayern auch nach der Abschaltung der Kern- und Kohlemeiler mit ausreichend Energie zu versorgen. Der Ausbau erneuerbarer Energien im Süden ist indes ins Stocken geraten. Der Lastausgleich im Stromnetz wird also schwieriger. Immer wieder ist es zudem in den vergangenen Jahren zu kritischen Netzsituationen gekommen – meist bei sogenannten Dunkelflauten, also wenn weder Solar- noch Windanlagen ausreichend Energie ins Netz einspeisen.

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Die EnBW indes entwickelt sich immer mehr zum Anbieter von erneuerbaren Energien. Das früher stark von Kernkraft abhängige Unternehmen zählt mittlerweile zu den größten deutschen Entwicklern von Windparks. Beim Ausbau der Solarkraft hat man sich ehrgeizige Ziele gesetzt. Bis 2025 sollen rund 600 Megawatt – in etwa die Kapazität eines mittelgroßen Kohlekraftwerks – durch EnBW-Solaranlagen erzeugt werden. Spezielle Solar- und Windfarmen will die EnBW dabei als erster deutscher Anbieter ohne Inanspruchnahme staatlicher Förderung errichten. Insgesamt neun kohlebetriebene Kraftwerksblöcke hat der Versorger dagegen in den vergangenen Jahren in Baden-Württemberg abgeschaltet oder eingemottet.

Ab 2020 soll das Unternehmen wieder ähnlich profitabel werden wie vor der Fukushima-Ära. 2,4 Milliarden Euro will der Versorger dann hauptsächlich durch erneuerbare Energien, das Netzgeschäft und den Energievertrieb erwirtschaften. 2025 sollen es drei Milliarden sein.