85 Kilometer sind eine lange Strecke. Sie entspricht mehr als zwei Marathon-Läufen und selbst manche Tour-de-France-Etappe ist kürzer.

Ein 85 Kilometer langer Kassenbon wird die Vorstellung der meisten von uns wohl ähnlich überfordern wie ein Marathonlauf.

Für jede Brezel ein Bon

Doch im nächsten Jahr wird es diesen Kassenbon bei uns in der Region geben, wenn auch nicht am Stück, sondern in 10 Zentimeter lange Abschnitte aufgeteilt.

Das hat Bäckermeister Daniel Link aus Trossingen ausgerechnet. Denn im kommenden Jahr ist Link verpflichtet, in seinen fünf Verkaufsstellen immer einen Bon auszugeben – und sei es nur für ein einziges Brötchen.

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„Man muss sich wirklich mal überlegen, wieviel Müll und Bürokratie zukünftig eine Brezel verursacht, die innerhalb weniger Minuten aufgegessen wird“, sagt der Obermeister der Bäcker-Innung Tuttlingen-Rottweil. Mit einer vorsichtigen Schätzung von durchschnittlich 10 Zentimeter je Bon ergibt dies nur für seine Bäckerei eine jährliche Gesamtlänge von rund 85,314 Kilometer an ausgegebenem Papier.

Hintergrund ist die Belegausgabepflicht ab dem 1. Januar 2020: Jeder Kunde muss bei seinem Einkauf ab diesem Tag für jeden noch so kleinen Einkauf einen Beleg erhalten.

Auch beim Bäcker müssen künftig zwingend Bons ausgegeben werden – auch wenn es nur um eine Brezel geht.
Auch beim Bäcker müssen künftig zwingend Bons ausgegeben werden – auch wenn es nur um eine Brezel geht. | Bild: Jan Woitas

„Für jede Brezel einen Bon ausgeben zu müssen, ist einfach absurd. Kaum ein Kunde braucht das und es ist auch nicht im Sinne der Nachhaltigkeit“, sagt Handwerkskammerpräsident Gotthard Reiner dazu. Doch Ausnahmen soll es auch für Bäckereien nicht geben.

Während in anderen Branchen der Trend zum papierlosen Büro geht, Briefe durch E-Mails ersetzt werden und Smartphone-Apps Tickets für Bus und Bahn verdrängen, macht das Bäckerhandwerk eine Rolle rückwärts – weil es der Gesetzgeber dazu zwingt.

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