Schluss mit Nescafé, Maggi, Thomy, Wagner Pizza und Vittel? Diese Marken des Lebensmittelkonzerns Nestlé könnten in Kürze aus den Regalen der Edeka-Märkte in Deutschland verschwinden. Rund 160 Nestlé-Produkte will der Marktverbund aus dem Verkauf nehmen, berichtet die "Lebensmittel Zeitung". Nach den Angaben will Edeka damit bessere Einkaufspreise für die Artikel erzwingen.

Weder Nestlé noch die Edeka-Zentrale in Hamburg wollten den Boykott auf Nachfrage kommentieren. Der Supermarktverbund wollte auch nicht sagen, in welchem Tempo Produkte aus den Regalen verschwinden könnten. Bei Edeka Baur, der in der Bodensee-Region zehn Filialen betreibt, ist die Weisung bekannt. Noch sei in den Regalen und beim Einkauf aber alles wie gehabt, erklärte Baur-Sprecherin Pamela Baumhardt auf Anfrage. Nach Angaben der "Lebensmittel Zeitung" verzichten auch andere Mitglieder der Händlerallianz Agecore auf Nestlé-Produkte, das sind neben Edeka unter anderem die großen Ketten Coop in der Schweiz, Intermarché in Frankreich, Conad in Italien und Eroski in Spanien. Die Schweizer «Handelszeitung» zitierte Coop-Sprecher Urs Meier mit dem Satz: «Wir haben einen Bestellstopp auf über 150 Artikel veranlasst.»

Handelsexperte Sven Köhler betont, wie stark der Boykott Nestlé, den größten Nahrungsmittelkonzern der Welt, treffen kann: "Das ist auch für einen großen Konzern ein herber Verlust, sobald dieser Einkaufs-Stopp länger als drei, vier Tage dauert", sagt der Professor für Handelsmanagment an der Dualen Hochschule Stuttgart. Bei einem längerfristigen Streit sieht er aber auch für den Händler selbst Risiken: "Wenn ich mein Lieblingsprodukt nicht mehr im Regal oder Tiefkühlfach finde, werde ich als Kunde säuerlich. Das schadet dem Ansehen des Händlers. Und Kunden sind mittlerweile so flexibel, dass sie dann eben in andere Märkte gehen." Zudem sei es ein großer logistischer Aufwand, die Regale erst leer zu räumen und später schnell aufzufüllen, wenn der Streit beigelegt sei.

Völlig ungewöhnlich ist der Schritt von Edeka nicht. Vor einem Jahr nahm Lidl nach Streitigkeiten mit Coca-Cola für über zwei Monate Produkte des Getränkeherstellers aus dem Regal. Auch Köhler erinnert sich an ähnliche Fälle in der Schweiz, wo die Kette Coop 2017 und 2011 einige Zeit lang keine Produkte des Reisherstellers Uncle Ben's verkaufte. Real boykottierte 2015 Artikel von Dr. Oetker, Nestlé und Müller Milch.

Wegen der Risiken auf beiden Seiten rechnet Köhler nicht mit einem sehr langen Streit: "Es ist für beide Seite nur zu hoffen, dass sie sich schnell einigen", sagt der Experte.