Auf dem Gipfel Ende November in Abidjan zwischen den Staaten der Europäischen Union (EU) und jenen der Afrikanischen Union (AU) wollte man eigentlich über die weitere Zusammenarbeit auf politischer, militärischer und nicht zuletzt wirtschaftlicher Ebene sprechen. Aber auf der Konferenz wurde noch nicht einmal ansatzweise über diese Themen diskutiert. Zu sehr waren die Europäer mit den afrikanischen Flüchtlingen beschäftigt, die sie möglichst weit von ihren Grenzen fernhalten wollen, indem man sie am besten schon in Zentral- oder Westafrika interniert oder zurückschickt. Dass sie in Libyen als Sklaven verkauft werden, behindert nicht die Zusammenarbeit mit den kriminellen Banden dort.

Die EU-Politik gegenüber Afrika war und ist nicht auf Hilfe zur Selbsthilfe ausgerichtet, sondern auf Profit für die Europäer, dem kein Vorteil für Afrika gegenübersteht. 2014 hat die EU mit Ländern West- und Ostafrikas sowie des südlichen Afrikas jeweils sogenannte EPAs (Economic Partnership Agreements) abgeschlossen. Mitunter wurde Druck aufgebaut: Im Fall Kenias drohte man mit dem Einfuhrstopp von Schnittblumen, sollte das Land einer Reduktion der Zölle auf europäische Importe nicht zustimmen. Insgesamt sollen die Afrikaner 80 Prozent ihrer Importzölle streichen, wenn sie ihre Güter weiterhin zollfrei in der EU absetzen wollen. Bei den Grundnahrungsmitteln sollen die Zölle innerhalb von fünf Jahren sogar auf null sinken. Dahinter steht eine mächtige Lobby europäischer Lebensmittelkonzerne. So würde nicht nur die Nahrungsmittel-Abhängigkeit Afrikas erhöht (das Nahrungsmitteldefizit ist von 2000 bis 2016 von 144 Millionen auf 2,3 Milliarden Euro gewachsen), die Milch- und Getreidebauern würden endgültig in den Ruin getrieben.

Die EU behauptet, die Getreide-Exporte Westafrikas würden um 10,2 Prozent, die von Rindfleisch um 8,4 Prozent wachsen. In Wahrheit sind die Getreide-Importe von 2013 bis 2016 von 2,8 auf 3,4 Millionen Tonnen gestiegen. Und während die EU 2016 nur 22 Tonnen Rindfleisch importierte, exportierte sie 84 895 Tonnen – Ware, die man in Europa kaum absetzen kann, dazu weiteres minderwertiges Fleisch, etwa von Hühnern, weil man für Europa fast nur Brust und Schenkel von Hühnern verarbeitet. Auf diese Weise wird auch die Existenz der kleinen Viehzüchter vernichtet. So sieht der große gemeinsame Markt aus afrikanischer Sicht aus. Und entgegen ihren marktliberalen Prinzipien subventioniert die EU ihre Exporte auch noch, im Jahr 2016 wurde der Getreide-Export nach Westafrika mit 215 Millionen Euro, der von Milchprodukten mit 169 Millionen gefördert. Zu allem Überfluss liegen die Importzölle der EU höher als jene der afrikanischen Länder südlich der Sahara.

Nigeria etwa zögert mit der Ratifizierung des Freihandels noch aus einem anderen Grund. Die Regierung fürchtet, das Industrialisierungsprogramm werde durch die Importe aus der EU kaputt gemacht. So züchtet Europa die Migranten, die dann bei uns abschätzig als „Wirtschaftsflüchtlinge“ diskriminiert werden.