Wir müssen über die Digitalisierung reden. Das sagen heutzutage alle: Unternehmer und Manager, Wissenschaftler, Politiker und Gewerkschafter. Zukunftsaufgaben werden diskutiert und Zukunftsutopien ausgemalt. Das größte Problem ist derzeit jedoch: Niemand weiß so recht, was da auf uns zukommt mit der Digitalisierung.

Tatsächlich läuft die Debatte so, als würden Menschen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts darüber diskutieren, wie die Mechanisierung von Landwirtschaft und Industrie in der ersten Industrialisierung verlaufen, was sie den Menschen bringen wird und wer von den Veränderungen bedroht werden wird. Die Vorstellungskraft reicht nicht aus, um sich die Zukunft konkret auszumalen.

Dennoch stehen ein paar Dinge heute fest. Zum einen wird es in der Industrie eine Automatisierungswelle geben, die menschliche Arbeit überflüssig machen wird. 3D-Drucker und Roboter werden in menschenleeren Fabrikhallen Waren aller Art produzieren. Weil das für die Fabrikbesitzer riesige Produktivitätsschübe verspricht, sind so gut wie alle Unternehmen gezwungen, auf den Zug aufzuspringen. Das gilt insbesondere für den Industriestandort Deutschland, weil die Unternehmen sonst ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren drohen.

Ähnliches gilt für Dienstleistungen. Hier spüren wir schon Konsequenzen: Wenn jeder Bankkunde im Durchschnitt nur noch einmal pro Jahr seine Bank aufsucht, weil er das meiste online oder an digitalen Automaten erledigen kann, werden traditionelle Bankfilialen kaum mehr gebraucht.

Riesige Datenmengen

Die Digitalisierung kommt allerdings nur schleppend voran, wenn nicht bald überall hochleistungsfähige Glasfaserkabel verlegt werden. Denn der ganze Prozess basiert darauf, dass riesige Datenmengen von hier nach dort bewegt werden können. Damit ist klar: Digitalisierung gibt es nicht ohne „Big Data“, also den Transport und die Verarbeitung unvorstellbar großer Datenmengen.

Wer aber soll über all diese Daten verfügen dürfen? „Meine Daten gehören mir“ bleibt vorerst eine Illusion, solange Regierungen nicht mit entsprechenden Regulierungen nachkommen. Die können sie aber erst dann und nur schrittweise erlassen, wenn und soweit sich konkrete Anwendungen der Digitalisierung abzeichnen. Und da steht die Welt noch weitgehend am Anfang.

Fest steht vielleicht in den westlichen liberalen Demokratien, dass wir eine lückenlose Überwachung und Kontrolle der Bevölkerung, wie sie China gerade mit Hunderten Millionen Überwachungskameras mit Gesichtserkennung aufbaut, nicht haben wollen. Wenn aber Gesundheitsdaten, die per App erhoben und zentral ausgewertet werden, zu einer besseren Gesundheitsversorgung führen können, sieht die Sache schon wieder anders aus.

Letzten Endes läuft es wohl darauf hinaus, dass man die Digitalisierung aller Lebens- und Arbeitsbereiche der Bürger als Bedrohung oder als Chance begreifen kann – je nach Perspektive. Wichtig dabei ist, dass dieser Wandel in einem demokratischen Prozess gestaltet wird, damit Vor- und Nachteile fair verteilt werden.