Nach dem Verkauf von Georg Fischer (GF) an Fondium will die Singener Eisengießerei unter neuer Führung wieder Gewinne schreiben. Die drei ehemaligen GF-Mitarbeiter Achim Schneider, Arnd Potthoff und Matthias Blumentrath, die allesamt zuvor in der GF-Gusssparte Management-Positionen innehatten, haben 54 Millionen Euro für die GF-Eisengießereien in Singen und Mettmann (Nordrhein-Westfalen) auf den Tisch gelegt und wollen nun "die Standorte weiterentwickeln und zukunftssicher aufstellen", wie Achim Schneider bei einem Pressegespräch sagte. Wir stellen Ihnen die Strategie und Ziele von Fondium vor:

  • Die Strategie: Zunächst wollen die drei Fondium-Manager durch Kostensenkungen und schlankere Strukturen die Wettbewerbsfähigkeit der Werke in Singen und Mettmann wieder herstellen. Zudem sollen nach und nach alle Produkte von Georg Fischer durch die Marke Fondium abgelöst werden, sodass die Marke Georg Fischer nach und nach aus Singen verschwindet. Nach dieser Stabilisierungsphase möchte Fondium ab 2021 neue Kooperationspartner suchen und stärker in die Entwicklung von innovativen Gussmethoden investieren. Ab 2023 will das Unternehmen neue Technologien einsetzen und Übernahmen ins Auge fassen. "Wir rechnen damit, dass sich der Markt in einigen Jahren konsolidieren wird", sagt Achim Schneider.
  • Die Unternehmenskultur: Fondium will die Unternehmenskultur modernisieren. So will das Unternehmen Hierarchien abbauen und familienfreundlicher werden. Dazu zählt zum Beispiel die Ausweitung der Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten. Außerdem dürfen Kinder künftig in der Betriebskantine mitessen. "Wir wollen künftig als mittelständisches Unternehmen und nicht wie ein großer Konzern agieren", sagt Schneider.
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  • Das Personal: Derzeit beschäftigt Fondium 950 Mitarbeiter in Singen und 900 Mitarbeiter in Mettmann. Wie Schneider offen zugibt, sind die Personalkosten an beiden Standorten zu hoch, um wettbewerbsfähig zu sein. Deshalb will er die Personalkosten senken, unter anderem durch den Abbau von Leiharbeitern und durch die Reduzierung von Sonntagsschichten und Überstunden. Bis vor kurzem beschäftigte Georg Fischer noch 220 Leiharbeiter in Singen. Davon seien zuletzt 30 Stellen abgebaut worden. Auch soll die natürliche Fluktuation genutzt werden, um die Stammbelegschaft zu verkleinern.
  • Die Konkurrenz: Die wichtigsten Konkurrenzunternehmen sieht Schneider in der Türkei, in Spanien, Portugal, China und Indien – allesamt Länder mit einem niedrigeren Lohnniveau. "Die Branche ist hart umkämpft", sagt Schneider. Auch der Preisdruck durch die Kunden, zu denen Fondium fast alle großen Automobilhersteller wie Daimler, Volkswagen, Audi, Opel oder Renault zählt, sei sehr groß.
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  • Die Konjunktur: Der Autoindustrie geht es derzeit nicht gut. So rechnen Branchenkenner in diesem Jahr mit einer sinkenden Produktion – auch, weil die Nachfrage aus China nachlässt. Doch Achim Schneider ist optimistisch. "Wir spüren noch keinen Abschwung", sagt er. Fondium macht seinen gesamten Erlös im Automobilbereich, so dass das Unternehmen sehr abhängig von dieser Branche ist.
  • Die Zusammenarbeit mit GF: Der Georg-Fischer-Konzern und Fondium bleiben trotz des Verkaufs zumindest vorerst weiterhin eng verbunden. Georg Fischer hält weiter einen Anteil von 20 Prozent an Fondium, will sich aber nicht in die Strategie und das Tagesgeschäft einmischen. Außerdem finanziert GF den Kauf der beiden Werke durch einen Kredit an Fondium und bleibt Eigentümer des Geländes und der Hallen. Auch in den Bereichen Personal und IT arbeiten Fondium und Georg Fischer zusammen. Auf dem Feld der Forschung und Entwicklung sind die beiden Unternehmen eine Partnerschaft eingegangen, so dass Fondium von den Forschungsaktivitäten am GF-Sitz in Schaffhausen profitiert.
  • So geht es bei GF weiter: Georg Fischer will seine Abhängigkeit vom Automobilsektor reduzieren – auch das war ein Motiv für den Verkauf der beiden Eisengießereien. Künftig stehen bei GF vor allem Leichtmetalle wie Magnesium oder Aluminium im Fokus. Den Anteil an Fondium will Georg Fischer zumindest mittelfristig verkaufen.
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