Der Euro ist gegenüber dem US-Dollar kürzlich auf über 1,25 Dollar gestiegen. Das war der höchste Stand seit Anfang 2015. Zwischendurch war die europäische Währung zeitweise fast auf Parität zum Dollar abgerutscht. Plötzlich ist in einigen Schlagzeilen von „Großem Comeback“ die Rede. Was aber noch schwerer wiegt: Niemand spricht oder schreibt mehr von einer „Euro-Krise“ und die Euro-Kritiker sind verstummt. Und fast vergessen.

Tatsächlich läuft diese Entwicklung offenbar auf zwei unterschiedlichen Schienen. Die eine hat mit Wechselkursen und Zinsen und Inflation zu tun. In den vergangenen Monaten haben sich Welthandel und Konjunktur in Europa mit ziemlich positiven Meldungen hervorgetan. Überall scheint die Wirtschaft nur so zu brummen. Da hoffen manche Marktbeobachter und Investoren, dass die Europäische Zentralbank (EZB) sich alsbald von ihrer Null-Zins-Politik verabschieden würde.

Die US-Notenbank hat inzwischen erste Schritte zur Normalisierung der Geldpolitik erfolgreich hinter sich gebracht, für Zinsanlagen in Dollar sind die Renditen gestiegen. Dollar-Anlagen waren deshalb zeitweise für Anleger attraktiver als Anlagen in der Euro-Währung. Inzwischen hoffen offenbar immer mehr Investoren, dass dieses Zinsgefälle alsbald eingeebnet werden könnte.

Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank, hat zwar wiederholt darauf hingewiesen, dass die Konjunktur- und die Inflationsentwicklung in der Euro-Zone gut sei, aber noch nicht gut genug. Er will die Inflation hier näher bei zwei Prozent sehen, ehe er die Geldzügel tatsächlich anzieht. Zuletzt hat sich der Preisanstieg erneut abgeschwächt, er lag zu Jahresbeginn bei 1,3 Prozent. Es bleibt also vorerst bei der lockeren Geldpolitik.

Trotzdem ist der Euro-Wechselkurs gegenüber dem Dollar seit Anfang des vergangenen Jahres kräftig gestiegen. Das mag an der zweiten Schiene der Entwicklung liegen. Der Brexit und die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten haben viele Europäer verstört. In Frankreich wurde ein explizit pro-europäischer Präsident gewählt und die Euro- und Europa-feindliche Kandidatin Marine Le Pen ins politische Abseits verbannt. Diese Gemengelage dürfte manchem Europäer vor Augen geführt haben, was er oder sie an Europa tatsächlich hat.

Umfragen haben im Laufe des vergangenen Jahres jedenfalls eine immer weiter wachsende Zustimmung der Bevölkerung – in Deutschland und anderswo in Europa – zur europäischen Gemeinschaftswährung und zu Europa signalisiert. Wenn im Zuge der Finanz- und Euro-Krise eine wachsende Euro-Skepsis vieler Europäer dazu beigetragen haben mag, Investoren von Anlagen und Investitionen in Europa abzuhalten, weil sie nicht mehr an die Zukunft der Gemeinschaftswährung geglaubt haben, dann könnte sich dieser Trend umgekehrt haben: Wächst das Zutrauen der Europäer zu ihrer eigenen Währung, dann wächst das Vertrauen auch anderswo.

Und wenn ein steigender Euro Deutschlands Exporte erschwert? Gut so, dann hilft dies, Deutschlands Exportüberschuss abzubauen. Das hilft allen Europäern.