Daimler-Chef Dieter Zetsche hat sich seinen Abschied von der Konzernspitze wohl anders vorgestellt. Ein Gewinneinbruch um fast ein Drittel, Anlaufprobleme bei der Produktion einzelner Baureihen und ein Kostensenkungsprogramm, dessen offizielle Verkündung Zetsche lieber seinem Nachfolger überlässt. Keine Frage: Deutschlands bekanntester Premium-Autobauer kämpft mit massivem Gegenwind.

Wie nachhaltig ist der Abwärtstrend?

Die entscheidende Frage ist nun, wie nachhaltig der derzeitige Abwärtstrend sein wird. Hier keimt vorsichtiger Optimismus auf, denn eine ganze Reihe all jener Faktoren, die Daimler 2018 die Bilanz verhagelt haben, deuten auf Fehlentwicklungen in einzelnen Bereichen hin, nicht aber auf eine strukturelle Krise, in der der Autobauer steckt.

Gewinn geht in den Keller

So hat beispielsweise die Umstellung der gesetzlichen Erfassung der Spritverbräuche und die sich daran anschließende Zertifizierung im vergangenen Jahr dazu geführt, dass die Auslieferung von Zehntausenden Autos ins Stocken kam und Umsatz und Gewinn heruntergeknüppelt. Belastungen aus dem Dieselskandal, Software-Nachrüstungen und Umtauschprämien wirkten ähnlich. Dazu kamen hohe Zölle im US-Geschäft und eine ungünstige Währungsentwicklung.

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Klingt die Erkältung bald ab?

Bei derartigen Themen handelt es sich aber entweder um einmalig auftretende Verwerfungen oder aber solche, die abklingen – wie die Dieselkrise.

Potenzial, dass es bei Daimler wieder aufwärts gehen wird, gibt es. Der Autoabsatz ist auch im Krisenjahr 2018 gestiegen. Beim Kunden glänzt der Stern also nach wie vor. Und die ersten vollelektrischen Modelle, die die Stuttgarter anbieten, sind so gut nachgefragt, dass sie teils bis zum Jahresende ausverkauft sind.

Konzern ist nicht in Unwucht

Den Vorwurf, seinem Nachfolger Ola Källenius nach seinem Rückzug Mitte Mai einen Konzern in Unwucht zu überlassen, muss sich Zetsche daher nicht aussetzen.