Kartoffeln werden teurer. Im nächsten Jahr steigen die Strompreise um über 5 Prozent, die Folgen der Energiewende werden spürbar. Die Preise für Benzin und Heizöl klettern auf schreckenserregende Höhen: Der Transport per Schiff klappt nicht mehr so richtig, weil der Rhein Niedrigwasser führt. Inflation hat viele Ursachen. Im Oktober 2018 sind die Verbraucherpreise in Deutschland um 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. 2,5 Prozent klingt überschaubar. Doch dieser Eindruck trügt. Binnen Jahresfrist schrumpft die Kaufkraft von 1000 Euro auf 975 Euro. Nach 5 Jahren sind die 1000 Euro nur noch 873 wert.

Schrittweise Aufweichung

Lange war die Euro-Zone eine Zone der Preisstabilität. Bei ihrer Gründung wollte die Europäische Zentralbank (EZB) Preissteigerungen von 0 bis 2 Prozent tolerieren, so der damalige Chefvolkswirt der EZB Ottmar Issing. Begründet wurde das mit der Schwierigkeit, die Inflation exakt berechnen zu können; werden die Kartoffeln teurer, ist das für sich genommen noch nicht Inflation. Aber diese beruhigende Botschaft der EZB wurde schrittweise aufgeweicht. 2010 wurde als Ziel ausgegeben, die Preise sollen „nahe 2 Prozent“ steigen. Das wären ein Kaufkraftverlust von 20 Euro im Jahr pro 1000 Euro. Schon spürbar, aber nicht wirklich schlimm. Doch schon 2016 wurde das Ziel der Preisstabilität durch die EZB weiter aufgeweicht: „Nachhaltig und im Durchschnitt sind 2 Prozent“ erlaubt. Klingt nur nach mehr Worten bei gleichem Inhalt, aber bedeutet einen erheblichen Eingriff. „Nachhaltig“ heißt, man nimmt kurzfristig höhere Inflationsraten in Kauf. Und „im Durchschnitt“ bezieht sich auf die gesamte Eurozone.

Unterschiedliche Raten

Nun unterscheiden sich die Inflationsraten in den Ländern der Euro-Zone erheblich: Griechenland kennt keine teuren Kartoffeln und auch das Benzin fließt ungehindert über seine Seehäfen. Deshalb hat ein EZB-Ratsmitglied, der Finne Erkki Liikanen, bereits 2017 vorgerechnet, dass damit auch eine Inflation von 4 Prozent mit diesem Ziel vereinbar sei: Irgendwo sinken die Preise, und „nachhaltig“ umfasst einen längeren Zeitraum. Bei 4 Prozent schrumpfen aber 1000 Euro auf 889 Euro Kaufkraft zusammen. Im Durchschnitt hat der Sparer ziemlich Pech. Vor allem, weil sich im Euro-Raum die Zinsen entlang der Null-Linie bewegen. Niedrige Zinsen sollen die Wirtschaft ankurbeln und den südeuropäischen Ländern ermöglichen, dass sie ihre hohen Schulden billig finanzieren können. Die Zeche zahlen Sparer in Deutschland – ihre Guthaben werden nicht verzinst, aber ihre Kaufkraft rasiert.

Das Tempo beschleunigt sich

Das wir in den nächsten Jahren nicht besser werden. Kaum jemand rechnet mit Zinserhöhungen, zu schwach ist die südeuropäische Wirtschaft und zu gierig die Finanzminister. Rechnen Sie deshalb mit steigender Inflation, denn Inflation kennt keine feste Größe. Kommt sie erst einmal ins Laufen, beschleunigt sich das Tempo: Die Gewerkschaften schlagen erwartete Preissteigerungen auf die Lohnforderung drauf, Unternehmer planen damit, Vermieter passen Staffelmietverträge an. Keiner will der Verlierer sein, am Ende allerdings verlieren alle. Inflation ist Gift für Wohlstand und Wirtschaft. Gerade wird die Dosis erhöht.

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