Obstbauern im Südwesten werden in diesem Jahr vergleichsweise von Luxussorgen geplagt: Während anderswo in der Republik die Felder verdorren und die Ernte der Landwirte mickrig oder ganz ausfällt, haben die Rekorderträge bei Kirschen, Erdbeeren, Zwetschgen und Pflaumen die Preise purzeln lassen.

Gleiches steht jetzt auch bei der gerade gestarteten Apfelernte bevor, die in Baden-Württemberg nach ersten Zahlen des Statistischen Landesamtes in Teilen bis zu 40 Prozent über den Durchschnittserträgen der vergangenen Jahre liegen dürfte. Bei gleichzeitig fallenden Marktpreisen kommt dabei allerdings kein deutliches Plus für die Erzeuger heraus.

Mit blauem Auge davongekommen

Insgesamt aber, so viel lässt bereits jetzt sagen, ist die Landwirtschaft im Südwesten trotz der seit Juni anhaltenden Trockenheit weitgehend mit einem blauen Auge davongekommen.

Auch die Winzer erwarten einen qualitativ und quantitativ sehr guten Jahrgang. Diese Bilanz zog Joachim Rukwied, Präsident des baden-württembergischen Landesvbauernverbands (LBV), beim Ernte-Pressegespräch auf einem Hof in Waiblingen bei Stuttgart.

Bis zu 1000 Betriebe existenzbedroht

Obwohl auch in Baden-Württemberg nach Schätzungen des Landwirtschaftsminsiteriums bis zu 1000 landwirtschaftliche Betriebe durch die Folgen der Dürre in Existenznot geraten könnten, sei die Schadensbilanz etwa bei den Getreidebauern durchschnittlich "glimpflich", so Rukwied.

Obst- und Weinbauern in Baden-Württemberg verzeichnen dagegen zum Teil sogar ein sehr gutes Jahr mit quantitativ und qualitativ überdurchschnittlichen Erträgen. Auch die Gemüseanbauer, die allerdings noch kein abschließendes Bild zeichnen können, schauen bislang auf ein positives Ertragsjahr. Das wurde zum Teil durch intensive Bewässerung allerdings teuer erkauft. Die Rüben- oder Krautbauern oder Produzenten anderer Herbst- und Spätkulturen dürften zudem ebenfalls noch die Folgen der Dürre spüren.

Nord-Süd-Gefälle in Baden-Württemberg

"Wie in Deutschland insgesamt haben wir auch in Baden-Württemberg ein starkes Nord-Süd-Gefälle bei den Schäden", sagte Rukwied. Im Norden und Nordosten des Landes habe es zum Teil seit Juni nicht mehr geregnet, vor allem im Bereich Hohenlohe, Main-Tauber oder Heilbronn meldeten die Landwirte Ausfälle von 40 bis 55 Prozent. Dagegen haben andere Landesteile auch einfach Glück gehabt und seien immer mal wieder von einem Tiefdruckgebiet gestreift worden.

Die größten Sorgen macht dem Verband im Südwesten die Situation der Rinderhalter, die durch die anhaltende Trockenheit massive Ertragseinbußen bei Grünland und Mais haben. Auch die Futteranbaubetriebe seien massiv betroffen. "Schon im Juni ist der Heupreis um 15 bis 20 Prozent gestiegen", so Rukwied. Für die existenziell betroffenen Betriebe forderte Rukwied kurzfristige finanzielle Hilfen.

Landwirte können auf staatliche Hilfe hoffen

"Mit der Bewertung der Dürre als Ereignis nationales Ausmaßes wurde dazu schon ein wichtiger Schritt gemacht", sagte Rukwied. Von den derzeit auf rund 50 Millionen Euro taxierten Ernteausfällen im Südwesten könnten demnach gemäß den vom Bund angekündigten staatlichen Hilfen 25 Millionen Euro an Kompensation fließen, jeweils zur Hälfte getragen von Bund und Land.

Voraussetzung sei, dass ein Hof 30 Prozent und mehr Ertragseinbußen nachweisen könne. "Wir wollen keine Gießkanne, sondern gezielte Kompensation. Wichtig ist, dass die Unterstützung schnell und unbürokratisch erfolgt", so Rukwied.

Wetterextreme erfordern neue Konzepte

Aber wie geht es generell für die Landwirtschaft weiter nach Millionenschäden durch Spätfröste im vergangenen Jahr, durch Dürre in diesem Jahr, und vielleicht durch Nässe im kommenden Jahr? "Klimaerwärmung und zunehmende Extremwetterlagen zwingen uns dazu, in vielen Bereichen neue Lösungen zu diskutieren", sagte Rukwied. "Aber das ist ein schwieriges und langwieriges Unterfangen."