Wie war das mit dem viel beschworenen Kulturwandel bei der Deutschen Bank? Ex-Vorstandschef Josef Ackermann hat schon vor zehn Jahren davon gesprochen, kein Geschäft sei es wert, den Ruf der Bank aufs Spiel zu setzen. Seine gescheiterten Nachfolger Anshu Jain, Jürgen Fitschen und John Cryan haben Ähnliches wiederholt und versichert, dass die internen Kontrollen der Bank endlich verbessert werden würden. Und auch der seit April amtierende Vorstandschef Christian Sewing hat das bekräftigt. Doch ganz offensichtlich ist wenig passiert.

Vielleicht ist die Deutsche Bank immer noch viel zu groß und international zu breit aufgestellt, als dass sie selbst wirksam überwachen kann, was manche ihrer Banker treiben. Oder die Boni sind immer noch zu hoch für die, die vermeintlich gewinnträchtige Geschäfte an Land ziehen, die sich dann als höchst fragwürdig erweisen. Niederschmetternd ist die nicht enden wollende Verwicklung der Bank in Skandale für die überwiegende Zahl der Mitarbeiter, die voller Überzeugung seit Jahren für die Bank arbeiten. Und sich um neue Kunden bemühen. Derzeit dürften sie freilich eher damit beschäftigt sein, Kunden vom Weglaufen abzuhalten. Denn wer will als ehrlicher Bürger seine Finanzgeschäfte von einer Bank erledigen lassen, die Steuerbetrügern und möglicherweise sogar Kriminellen hilft, ihr schmutziges Geld zu waschen?