Für 32 Euro mit dem Baden-Württemberg-Ticket in der ersten Klasse von Konstanz nach Stuttgart und wieder zurück oder für 29,90 Euro per ICE von Villingen-Schwenningen mit dem Supersparpreis nach Berlin: Solche Angebote macht nur die Deutsche Bahn.

Und im ICE-Beispiel ist ein möglicher Bahncard-Rabatt noch nicht einmal eingerechnet. Trotzdem ist der Staatskonzern zum Prügelknaben der Nation geworden. Sein Ruf ist fast vergleichbar mit Ex-Bundespräsident Christian Wulff auf dem Höhepunkt der vermeintlichen Korruptionsaffäre oder mit Ex-Nationalstürmer Mario Gomez nach der vergebenen Großchance im EM-Spiel gegen Österreich 2008. Beide Männer sind ihr negatives Image nie losgeworden – obwohl Wulff von den Gerichten komplett rehabilitiert wurde und „Chancentod“ Gomez mittlerweile 169 Bundesligatore geschossen hat.

Bei der Bahn werden in der öffentlichen Debatte meist nur die Nachteile in den Fokus gerückt: Die Bahn sei unpünktlich, viel zu lahm, teuer und der Service zu schlecht, lautet das allgemeine (Vor-)Urteil. Das stimmt zwar, ist aber nur die halbe Wahrheit. Tatsächlich kommen gerade mal drei von vier Zügen pünktlich an ihrem Ziel an und selbstverständlich muss diese Quote verbessert werden.

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Doch kein Verkehrsmittel kann eine hundertprozentige Pünktlichkeit garantieren. Autos und Fernbusse geraten regelmäßig in den Stau und auch Flugzeuge heben oft verspätet ab. Im Normalfall bekommt man für diese Verspätungen keine Erstattung. Die Bahn zahlt dagegen bei Verspätungen ab einer Stunde einen Teil des Fahrpreises zurück und das unabhängig vom Verspätungsgrund.

Auch bei der Fahrtzeit ist die Bahn oft im Vorteil. Für die Strecke München-Berlin braucht der schnellste ICE weniger als vier Stunden, für die Fahrt von Frankfurt nach Köln gerade mal eine gute Stunde. Klar muss man erstmal an diese Knotenpunkte kommen, um von diesen Turbo-Verbindungen zu profitieren. Gerade bei uns in Südbaden sind viele Städte von schnellen Verbindungen abgeschnitten. Doch auch ein Fernbus hält nicht in jeder Stadt, der Zug fährt jedoch auch nach Stockach, St. Georgen oder Rheinfelden.

Wer früh bucht, kann günstig fahren

Beim Preis ist der Flixbus tatsächlich gegenüber der Bahn im Vorteil. Doch wer früh bucht, eine Bahncard besitzt oder Angebote wie das Baden-Württemberg-Ticket nutzt, kann auch mit der Bahn zum Schnäppchenpreis fahren (siehe oben). Und vor allem im Vergleich zum Auto ist die Bahn im Vorteil – erst recht wenn man die hohen Anschaffungskosten für ein eigenes Fahrzeug gegenrechnet. Billigflieger locken zwar mit günstigen Tickets. Doch um zu fliegen, muss man auch erstmal mit Bus und Bahn zum Flughafen kommen.

Beim Service hat die Bahn tatsächlich noch Nachholbedarf – gerade im digitalen Bereich. Aber dank der neuen Konkurrenz durch Fernbusse hat der Konzern in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Die Bahn-App DB Navigator genießt zurecht einen guten Ruf und erleichtert das Buchen, ohne in der Schlange am Schalter oder Automaten warten zu müssen. Wünschenswert wäre, wenn auch die Erstattung künftig ohne Papierformular funktionieren würde, wie es Verbraucherschützer seit Jahren zurecht fordern.

Gerade vor dem Hintergrund der Feinstaub- und CO2-Debatte in unserem Land sollte die umweltfreundliche Bahn uns ihr Geld wert sein. In den kommenden Jahren müssen viele Trassen und Züge modernisiert werden. Außerdem braucht die Bahn mehr Mitarbeiter, zum Beispiel Lokführer, Fahrdienstleiter und Kontrolleure. Denn in der Vergangenheit wurde in diesen Bereichen zu viel gespart. Zur Hauptaufgabe der Bahn, auch wenn sie seit 1994 eine Aktiengesellschaft ist, zählt es nicht, fette Dividenden beim Staat abzuliefern. In erster Linie sollte sie für die Bürger, sowohl in den Städten als auch auf dem Land, da sein. Auch wenn das Jahr für Jahr Steuergelder verschlingt – schlecht angelegt ist das Geld nicht.